Samstag, 22. November 2014

Der Prinz und die zwei weißen Pferde - Teil II

Nachdem der Kutscher uns begrüßt hatte und sich versichert hatte, das wir bequem und sicher saßen setzte sich die Kutsche in Gang. Klack Klack - Klack klack hörte man die Hufe der Pferde durch mein Dorf hallen. Die uns entgegenkommenden Autos verlangsamten ihr Tempo um zu sehen, wer in der Kutsche sitzt. An einem Sonntag, wo doch niemand getraut wird. Und dann sitzt da auch keine Braut drin, sondern einen dämlich grinsende Frau in grüner Lederjacke und eine kleine Prinzessin mit Blüte im Haar.

Wir fuhren eine ganze Weile, da überholte uns das Auto meines älteren Bruders, dann das Auto meiner Schwiegereltern in spe. Irgendwann drehte sich der Kutscher um und verriet uns, dass er uns zum Blausteinsee kutschieren würde. Aber mehr wisse er auch nicht. Er hätte nur den Auftrag uns von meinem Elternhaus aus dorthin zu fahren. Und grinste uns wissend an. Schon die ganze Fahrt hatten meine Tochter und ich uns gegenseitig gefragt, wo es wohl hinginge. Jetzt war es klar. Und dann war auch klar, das heute wirklich der Tag der Tage sein sollte.

Ich weiß nicht, wie lange die Fahrt dauerte. Ich verlor jegliches Zeitgefühl. Meine Tochter und ich winkten den vielen Passanten zu, die wegen uns stehen blieben und sich nach uns umsahen und uns ebenfalls winkten. Dann erreichten wir die letzte Straße, die uns zum See führen sollte.
Wir waren den ganzen Weg über angestarrt worden, aber jetzt bekam ich mit, wie eine Mutter zu ihrem Sohn sagte "Ja, das ist sie!" Und dann hörte ich meine Tochter sagen "Mama, da hängen Bilder von euch!" Und dann sah auch sie. Die Allee zum See war gepflastert. An jedem zweiten Baum hing ein Schild dass uns beide, meine Liebsten und mich, zeigte. Bilder von unserem ersten Tag, Bilder von unserem ersten Abend auf dem Kiez, Bilder von unserem ersten Urlaub, Bilder von dem verrückten Wochenende an dem mein Prinz fast 30 Stunden Reisezeit auf sich nahm um 24 Stunden mit mir verbringen zu können. Bilder von unvergesslichen, wundervollen Momenten von denen es so unglaublich viele gab in den erst wenigen Monaten die wir ein Paar sind. Und auf jedem stand der Satz "24 Stunden und die nächsten 70 Jahre - dann sag JA!"

Staunend saß ich in der Kutsche, die vielen vielen Menschen erkannten mich, winkten uns zu, viele zeigten mir den Schumidaumen und einige fingen sogar an zu applaudieren. Und es waren viele Menschen unterwegs. Sehr sehr viele! Es war Sonntag, strahlend blauer Himmel, Sonne und fast 23°C und das mitten im Oktober!

Also war auch entsprechend das "Seehaus 53" brechend voll. Mir schlug das Herz bis zum Hals als wir die letzten Meter zum See runterfuhren. Dabei bin ich es doch eigentlich gewohnt vor so vielen Menschen und im Rampenlicht zu stehen?! Als ich vor 2000 Leuten gesungen habe, war das doch auch kein Problem und von Nervosität keine Spur. Aber das hier war dann doch etwas ganz anderes. Ich spielte zwar die Hauptrolle, aber das Stück hatte ich vorher nie geprobt!

Wenn ich bisher gedacht hatte, die Schwangerschaftsübelkeit läge endlich hinter mir, jetzt war sie wieder da!

Als ersten entdeckte ich den Vater meines Prinzen, der mit der Kamera bewaffnet auf uns wartete. Dann sah ich meinen älteren Bruder mit Frau und Kind.

Meine Augen streiften über all die vielen Gesichter und suchten nach IHM. Wo war er?! Ich fühlte mich plötzlich ganz ängstlich, nackt und einsam. Wie in diesen Träumen in denen man nackt umherläuft, alle einen anstarren und man weiß nicht warum, weil man nicht merkt, dass man nichts an hat.

Am Rande der großen Terrasse sah ich ihn dann. Er hatte sein Prinzenkostüm gegen seinen stahlblauen Anzug getauscht und stand am Ende eines roten Teppichs, der vor ihm ausgerollt worden war. Rechts und links entdeckte ich seine und meine engsten Verwandten. Seine Neffen und seine Nichte standen mit Blumenkörbchen neben ihm am Teppich.

Die Kutsche brachte den Tintenfisch und mich direkt am anderen Ende des roten Teppichs zum stehen. Dann hörte ich, dass im Hintergrund DAS Lied lief, von dem ich mal gesagt hatte, das würde ich mir als Eröffnungswalzer bei unserer Hochzeit, wann immer die auch stattfinden würde, wünschen. "To the moon and back" von Dolly Parton, aus dem Film "Joyful Noise". Da war es dann endgültig um meine Fassung geschehen. Hatte ich mich die Fahrt über noch zusammenreißen können - schließlich hätte meine Mascara verschmieren können! - so öffneten sich jetzt sämtliche Schleusen und ich saß schluchzend und von meinen Gefühlen völlig überwältigt neben meiner Tochter in der Kutsche.

To the moon and back - Dolly Parton

Dann reichte mein Prinz mir seine Hand und half mir aus der Kutsche. Oder war es der Kutscher selbst? Ich weiß es nicht mehr. Durch den Tränenfilm konnte ich erkennen, wie die Kleinen Rosenblätter streuten und irgendwie stand ich plötzlich mit meinem Prinzen auf dem roten Teppich. Ich hasse mich dafür, dass ich nicht mehr genau weiß, was er gesagt hat, ich war so aufgeregt! Aber was er sagte, war einfach nur wundervoll, traf mich mitten ins Herz und brachte mich erneut zum schluchzen. Dann ging er auf die Knie und ich glaube noch bevor er die Worte "Willst du meine Frau werden" ausgesprochen hatte, nickte ich bereits heftig und küsste ihn. Dann zog ich ihn wieder zu mir hoch, ich wollte da oben nicht alleine sein!

Aus seiner Innentasche beförderte er dann eine kleine schwarze Schatulle zutage und öffnete sie. Darin steckte der absolut perfekteste Verlobungsring, den ich mir vorstellen kann. So, wie ich es mir immer  gewünscht hatte. Ein einzelner Stein, der laut und deutlich schreit "VERLOBUNGSRING" und rechts und links davon zwei liegende Achten. Das Symbol der Unendlichkeit und als Zahl drei Mal in meinem Geburtsdatum vertreten. Passender geht es nicht. Er ist wunderschön! Ich liebe ihn!

Als er mir den Ring ansteckte hörte ich, dass UNSER Lied gespielt wurde. "So easy to love"' von Calvin Bridges. Dieser Song hat eine ganz besondere Bedeutung für uns. Er steht für unsere gemeinsame große Liebe nach den Kindern, die Musik. Dieses Lied widmete Calvin uns, als wir es auf dem Workshop mit ihm lernten. Er war so fasziniert von uns als Paar, er fand dass dieses Lied beschreibt, wie wir beide auf ihn wirken. Als wäre es ganz einfach und das Natürlichste auf der Welt einander zu lieben. Und das ist es.

In meinen Hochzeitsreden zitiere ich gerne Evje van Dampen, alias HaPe Kerkeling. "Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit". Was soll ich sagen? Ich hab noch nie lieber gearbeitet! Nein, es macht keine Mühe, ich muss mich nicht anstrengen, um zu lieben. Auch wenn es mal nicht so rund läuft. Es ist einfach. Es IST einfach. Es IST.

Es heißt eben nicht "Für immer wäre schön..." - es heißt "Für immer!". Und das ist wunderschön.

So easy to love - Calvin Bridges

Donnerstag, 20. November 2014

So viel in so wenig Zeit - Wunscherfüllung die Dritte


Seit meinem letzten Post ist ja einige Zeit ins Land gegangen. Es ist eine Menge passiert und ich weiß gar nicht so recht, ob ich wirklich alles aufschreiben und erzählen soll.

Ich übe mich seit 10 Monaten in positivem Denken und dem Gesetz der Anziehung. Deswegen glaube ich, es ist keine gute Idee, all die negativen Dinge erneut aufzurollen. Stattdessen werde ich versuchen, die Dinge, die mich belastet haben in ein positives Licht zu rücken, um, ganz gemäß dem Gesetz der Anziehung entsprechend so neu abzuschicken, dass sich alles zum Guten wendet.

Wenn ich so drüber nachdenke, dann war ich bisher denke ich, einfach nur zu ängstlich und dachte mal wieder, so viel Glück stünde mir nicht zu. Dachte, es könne ja nicht immer so weitergehen, dass alles läuft als schwämme ich auf Butter.

Warum eigentlich nicht? Warum geht man immer davon aus, dass irgendwas schief gehen muss? Warum macht man sich selbst klein und unnötig das Leben schwer? Also. Schluss mit der Trübsal Blaserei, Schluss mit dem schwarz Gemale. Es ist alles dabei sich so zu verändern und sich so zu entwickeln, dass für uns alles gut ist. Das weiß ich einfach. Immer wieder entdecke ich dieses Gefühl in mir. Diese feste Überzeugung, dass sich alle meine langgehegten Wünsche gerade Stück für Stück erfüllen.
Der Wunsch nach einem wahren zu Hause, dass einen empfängt, dass einen umschließt wie eine warme Decke. Eine Heimat, die einem Wurzeln gibt und Flügel. Eine Familie, die immer für einen da ist. Die große Gesamte und die eigene Kleine. Zu viert. Die dich annimmt und hilft ohne Nachfragen. Wo du dich fallen lassen kannst und weißt dass man dich auffängt.

Ich erinnre mich jeden Tag daran, dass ich nie im Leben damit gerechnet hätte, nochmal schwanger zu werden. Und das einfach so. Ehrlich gesagt, hab ich auch nicht mehr damit gerechnet, mal mit einem Mann zusammen zu sein, der mich tatsächlich so liebt, wie ich nun mal bin. Der mich nicht ein Stück verändern will und trotzdem verrückt nach mir ist. Verstehen, nachvollziehen kann ich das nicht ansatzweise. Aber er ist es. Verrückt aber wahr.

Jahrelang hab ich mich für einen schlechten Mensch gehalten, weil man mir genau das eingeredet hat.  Und da liegt wohl auch mein Hauptproblem mit dem positiven Denken. Ich halte mich nicht für "würdig" Glück zu haben. Das muss ich mir ganz schnell abgewöhnen.

Das was in den letzten Wochen nämlich wieder bei mir passiert ist, spricht unterm Strich eine andere Sprache. Okay, es waren auch Momente und einige Tage dabei, die mich enorm runter gezogen haben. Sorgen, Ängste und düstere Gedanken haben mich einige Tage lahmgelegt und mich glauben lassen, ich hätte versagt. Vor allem zwischenmenschlich.
Und solche Unstimmigkeiten und Anfeindungen, seien sie auch nur unterschwellig, belasten mich massiv. Ich leide dann wie ein Tier.

Ich kann das super überspielen, hab ja schließlich jahrelange Übung. Aber dieses schwere Gefühl, dass zwischen Magen und Schlüsselbein sitzt und mit ständigem Druck meine Brust ausfüllt begleitet mich seit Wochen. Was wiederum zu großen Schuldgefühlen führt, denn das bekommt das Baby eine Etage tiefer sicher mit. Deswegen versuch ich die trüben Gedanken wegzuschieben und durch positive zu ersetzen.

Es gab nämlich auch ganz wundervolle und freudige Momente. Es ging sogar ein Traum in Erfüllung.

Am 19.10. waren wir, der Prinz, der Tintenfisch und ich zum Familienessen bei meinen Eltern eingeladen. Weil es Sonntag war und mal die ganze Familie anwesend war beschlossen der Tintenfisch und mein Prinz dass wir uns in Schale schmeißen sollten. Ich freute mich, aber das hielt nur bis zum Kleiderschrank. Mittlerweile war ich aus allem rausgewachsen und fand partout nichts, in dem ich mich so richtig wohl fühlte. Kam mir vor wie der berühmte Wal auf dem Trockenen.

Irgendwie fand ich aber dann doch noch etwas annehmbares. Lag wohl auch daran, dass mein Männe sich förmlich mit Komplimenten überschlug und mir weis machen wollte, dass er mich unwiderstehlich findet. Ich hab so getan als würde ich es glauben. Irgendwann fand ich mich dann auch wieder ganz in Ordnung. Rückblickend denke ich, es lag gar nicht an der Klamotte, sondern an meinem neuen Haarschnitt, der doch viel kürzer als angedacht ausgefallen war. Ich trauere meinen langen Haaren mittlerweile ganz offiziell hinterher.

Ich freute mich auf den Tag im Kreise meiner Lieben, vor allem auf die Zeit, die wir drei endlich zusammen haben würden. Denn am Samstag war mein Liebster den halben Tag unterwegs gewesen und weil das viel länger gedauert hatte als geplant war ich ganz schön sauer gewesen.

Um die Mittagszeit fanden wir uns alle in meinem Elternhaus zum Sonntagsbraten ein und es war eine lustige und entspannte Runde. Kurz vor dem Nachtisch klingelte das Handy meines Freundes. Sein Vater bat ihn um Hilfe. Ob er kurz vorbei kommen könne, um ihm dabei zu helfen irgendwas Schweres aus dem Keller nach oben zu wuchten. Natürlich machte der brave Sohn sich sogleich auf den Weg und verabschiedete sich wie am Vortag schon mit den Worten "Bis gleich!". Mir schwante schon Böses. Und das sollte sich bestätigen. Nicht nur den Nachtisch aßen wir ohne ihn. Auch die zwei Stunden danach fehlte er in unserer Runde. Ich war unglaublich enttäuscht. Meine Tochter tat mir leid. Sie hatte sich so auf das Wochenende mit ihm gefreut und nun fehlte er schon den zweiten Tag. Viel Zeit würde in der kommenden Woche in der sie da war nicht bleiben. Mein Freund hatte Spätschicht und würde von Mittags bis spät Abends nicht zu Hause sein.

Nach gut zweieinhalb Stunden schrieb ich ihm eine Nachricht, die keinen Zweifel daran ließ, wie mir seine Abwesenheit gefiel. Keine Reaktion. Sonst antwortet er immer umgehend. Ich schwankte zwischen Wut und Traurigkeit. Mittlerweile hatte sich die ganze Familie im Wintergarten niedergelassen und es war gerade der Vorschlag gemacht worden, ob wir nicht einen Spaziergang unternehmen wollten. Vorher wollte ich mich noch ein wenig ausruhen und die Füße hochlegen, also ließ ich mich auf dem gemütlichen Sofa gleich neben dem großen Fenster mit Blick auf den Teich nieder.

Dass ich nach kurzer Zeit allein im Wintergarten war und sich alle anderen verkrümelt hatten, das war mir nicht sonderlich aufgefallen. Aber das mein Vater die Tür, die sonst immer offen steht, hinter sich schloss als es an der Tür schellte und er öffnen ging, da wurde mir komisch.

Keine zwei Sekunden später stand mein Vater wieder in der Tür, es sei für mich. Für mich? Wie für mich? Ich wohn doch hier gar nicht. Also ging ich zur Tür. Schon als ich in den langen Flur kam, konnte ich sehen, wer da für mich vor der Tür stand. Mein Prinz. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mein Liebster in einem grünen Samtgehrock, samt Pumphose, Gastron und weißen Handschuhen. Hinter ihm stand mein älterer Bruder mit seiner Frau und seinem Sohn, das Smartphone gezückt um alles offensichtlich auf Video zu bannen. Ich stand mit vor den Mund gehaltener Hand im Eingang und fing an zu zittern....

"Du nennst mich doch immer deinen Prinzen..." und dann nahm er meine Hand und führte mich ums Haus herum zur Straße. Und was ich bei seinen Worten "Ich hab da mal was vorbereitet" sah, verschlug mir echt den Atem. Da kam eine schneeweiße Kutsche, gezogen von zwei Schimmeln, die Straße runter auf mich zu. Der Kutscher im cremefarbenen Cut und seine junge Begleitung ganz in schwarz, beide mit passendem Zylinder.

Ich blickte zitternd und verwirrt und fragend um mich und sah, dass sich mittlerweile die gesamte Familie auf der Straße versammelt hatte. Den Berg hochgelaufen kamen der Bruder meines Freundes und ihre Mutter. Dann tauchte auch noch sein Vater auf, alle mit Kamera und Smartphone bewaffnet. Ich wusste vom ersten Moment an, worauf es hinauslaufen würde. So oft hatten wir über die vielen tollen Anträge gesprochen, die mir als Hochzeitsrednerin schon erzählt worden waren. So oft hatte mein Liebster dann gestöhnt "Dann brauch ich ja nicht mit ner 0815 Frage ankommen...!" Aber das es wirklich passiert, dass er wirklich DIE Idee gehabt hatte, das er endlich wusste, wie er mich fragen wollen würde, dass er tatsächlich einen passenden Ring gefunden hatte und das alles HEUTE stattfinden sollte.....das war unglaublich.

Nun setzte mein Prinz seine beiden Prinzessinnen, meine Tochter und mich,  in die Kutsche, meine Mutter gab uns noch eine Decke mit und verabschiedete sich von uns. Wo ging es hin?! Ich hatte keine Ahnung. Mein Gesicht war schon ganz starr und schmerzte von der ganzen Grinserei, mir war übel, ich zitterte, das Baby in meinem Bauch tanzte Samba und meine Große starrte mich mit Untertassengroßen Augen ungläublig und fragend an. Oder sie ahmte mich nur nach. Das kann ich nicht genau sagen.




........to be continued ;-)