Donnerstag, 4. Juni 2015

Schildkrötenromantik

Die Raupe ist da!

Seit 6 Wochen schon. Und sie hat sich zu einer wunderschönen Schildkröte entpuppt! Ja, Schildkröte. Die Große bekam ihren Spitznamen Tintenfisch, weil sie direkt nach der Geburt aussah wie das Tintenfischbaby aus Men in Black I. Und nun haben wir eine kleine Morla. Wie die Schildkröte aus Michel Endes "Unendliche Geschichte". So wie sie ihr Kinn nach vorn reckt erwartet man, dass sie gleich altklug wispert "Jaaaa, wir wissen das" und dann niest sie meistens.



Es war eine traumhafte Geburt. Wirklich. Und obwohl nur 5-10% aller Schwangerschaften mit einem Blasensprung enden, hab ich es auch beim zweiten Mal wieder geschafft! Pünktlich zum Feierabend des Prinzen. Und nur 8 Stunden später hob ich mein kleines Mädchen aus der Gebärwanne an meine Mutterbrust. Okay, an den Mutterbauch. Die Schnur war zu kurz. 
Wir haben in den 8 Stunden viel gelacht, ich hab zwischen der ersten und der letzten Presswehe wiederholt, dass ich es echt nicht mehr schaffe, ich nicht mehr kann und bin dann tatsächlich jedesmal kurz weggenickt. Ich hab´s aber geschafft. Ohne Schmerzmittel mit 2,5 Presswehen und ohne Verletzungen. Sie kam wie Buzz Lightyear mit der Faust nach vorn gereckt raus und wir waren sofort schockverliebt. Sie ist unfassbar schön, über die Maßen goldig und unverschämt niedlich. Selbstverständlich ist sie das süßeste Baby auf der ganzen Welt!


Zu unserer großen Überraschung ist unsere jüngste Tochter ebenfalls blond! Sofort eingeleitete Nachforschungen ergaben allerdings, dass sie das wohl vom Vater hat. Der war in seiner Jugend ebenfalls strohig. Die Anfangsdaten hat sie von der großen Schwester einfach übernommen: 51cm (bös gestaucht, denn laut Oberschenkelmaß multipliziert mit 7 waren es gute 55cm) und 3580g. Nur den Hut braucht sie zwei Nummern kleiner als der Tintenfisch. 36cm taten aber trotzdem verdammt weh. 36cm plus Fäustchen eben. 

Ihre ersten Tage waren nicht so witzig, denn schon nach 48 Stunden wachte ich mit einem fiebernden Kind auf. Diagnose: Durstfieber. Unsere Morla hatte da schon über 12% ihres Geburtsgewichtes verloren und weil sie nicht wirklich Übergepäck mitgebracht hatte machte ihr das leider richtig zu schaffen. Ihr so süß geformtes Schnütchen und, wie wir mittlerweile wissen, zu kurzes Zungenbändchen verhinderten, dass sie genug Kolostrum bekam und sie kam nur haarscharf um einen Aufenthalt in der Kinderklinik herum. 

Trotz ihrer körperlichen Einschränkungen und dank Mamas Muttersahne hat sie es aber geschafft in vier Wochen stolze 1200g zuzunehmen und mittlerweile dürften wir die 5kg Marke geknackt haben. 

Heute habe ich begonnen die Klamotten in 50/56 auszuräumen und Platz für die bereits frisch gewaschene Kollektion in 62 zu schaffen. Sie ist einfach großartig! Wächst einfach schneller, damit sie bereits jetzt zum Beginn des Sommerwetters in die Sommersachen ihrer großen Schwester passt. Schließlich war der Tintenfisch ein Winterkind und trug diese Sachen erst mit 4-5 Monaten! Und ich dachte sie wäre schon groß gewesen! 

Wir freuen uns über endlich speckige Beinchen und Ärmchen. Die langen Spargelstangen, die sie als Arme mitgebracht hatte, die waren schon Mitleid erregend. Man hatte Angst sie kaputt zu machen, wenn man sie hochnahm. Jetzt ist sie ein süßes Moppelchen mit Pack an :D

Die Milch schmeckt nach wie vor super. So gut, dass sie immer noch alle zwei Stunden lautstark danach verlangt. Wenn sie auch sonst pflegeleicht ist und sich ruhig verhält, da kennt sie kein Pardon. Wenn sie Knast hat, dann ist Schluss mit lustig. Und da kann ich über die romantisierten Werbefilmchen von Herrn Hipp nur milde schmunzeln. Wie die grenzdebil lächelnde Mutter mit dem wallenden Haar ihrem ruhig nuckelnden Baby zärtlich übers Haupthaar streicht....Von solcher Romantik sind wir bei unseren Stillmahlzeiten weit entfernt. 

Die Milch wird wie gesagt nicht gesittet bestellt, sondern lautstark eingefordert. Und dann heißt es Tempo machen! Ich rede beruhigend (so hoffe ich) auf das brüllende Kind ein, dass ich es nur kurz ablegen muss, um mir eiligst das Stillkissen um den Körper zu schnallen und dann hektisch das Shirt hoch und den BH runterziehe, um dann das zappelnde, rot angelaufene Baby an meine Brust zu manövrieren. 
Damit das ganze unfallfrei bleibt muss ich ihre Ärmchen erst mal festhalten und ihren Mund in die richtige Richtung bugsieren. Sie weiß natürlich nicht, dass aus dem Kissen wirklich keine Milch kommt und versucht sich gegen meine Hilfestellung zu wehren. Man glaubt ja nicht, wie steif sich so ein ärgerlicher Säugling machen kann! Wenn sie die Brust dann endlich anvisiert hat, heißt es koordinieren: linke Hand unter ihrem Kopf, rechte Hand um die eigene Brust und versuchen ihr soviel Brust wie möglich mit dem Nippel in den Mund zu schieben, gleichzeitig ihren Kopf in Richtung Brust schieben und mit dem kleinen Finger der rechten Hand noch rechtzeitig die Babyunterlippe nach unten schieben. 
Nur damit sie im nächsten Moment wieder loslässt und nur noch am Nippel rumlutscht. Ich würde in solchen Momenten gern auf ein Moltontuch beißen, aber die Dinger sind überall, nur nie da wo ich sie brauche. Aber auch wenn sie dann endlich nuckelt und die Milch endlich fliesst setzt die Romantik auch nicht ein. Vielleicht wenn man das gierige Schmatzen aus- und die Fahrstuhlmusik einschalten könnte. 

Auch nach der Mahlzeit komme ich mir eher vor wie auf einer Baustelle und ich habe gerade den Polier vor mir, der mich grunzend ansieht und dann aus tiefster Seele rülpst. Fehlt nur, dass sie mit ihrem Daumen mit abgespreiztem kleinen Finger an die Stirn fasst und stolz "Schuuuulz" ruft. Gerne folgt einem solchen Rülpser noch eine ganze Kakophonie des Darmorchesters. 

Romantik ist wahrlich was anderes. Aber ich weiß jetzt wo die Liebe hin ist, wenn sie durch den Magen durch ist. Sie kommt zurück. 

Wenn sie dich bei ihrem zweiten "Bauer" breit lächelnd ankotzt. 

Es geht weiter...

...lange hab ich diesen Blog links liegen lassen. Weil es eine Zeit gab, da war mir nicht danach irgendjemanden an meinem Leben teilhaben zu lassen. Eine Zeit, die mich ohnmächtig und bewegungsunfähig machte.

Wenn dich die Menschen, denen du mehr vertraut hast als irgendwem in deinem Leben einfach fallen lassen und dir den Rücken zudrehen, dann kommen keine Worte mehr.

Wenn die Menschen, denen du dein Innerstes anvertraut hast dieses Urvertrauen bis aufs Mark erschüttern und deine Welt aus den Angeln heben, dir den Boden unter den Füßen wegziehen und alles woran du geglaubt hast sich als Illusion deiner eigenen Bedürftigkeit entpuppt, dann bleibt einzig Fassungslosigkeit und eine bleierne Schwere.

Als ich nur noch von Groll, Wut und unendlicher Traurigkeit erzählen konnte, habe ich das Erzählen eingestellt.

Bis jetzt. Ich bin kein Opfer. Ich lasse los was mich beschwert und kann mich wieder auf die und das konzentrieren, die mir guttun, die mich unterstützen und was mich wirklich glücklich und fröhlich macht.

Denn mein Leben ist ganz wunderbar! Es ist voller wundervoller Momente, voller Freude, voller Lachen und unfassbar viel Liebe.
Und von all diesem Glück möchte ich etwas weitergeben. Denn Glück vervielfacht sich, wenn man es teilt.

Ich weiß wie es in der Hölle aussieht, ich war längst da. Ich trage die Asche an meinen Füßen. Ich bin knietief durch die Scheiße gewatet. Ich hab immer wieder eins voll in die Fresse gekriegt.
Ich bin trotzdem oder gerade deswegen fest entschlossen vollkommen glücklich zu sein.

Ich hab nur dieses eine Leben und aus der Nummer komm ich eh nicht lebend raus.

Gekreuzigt, beerdigt und? AUFERSTANDEN