Montag, 31. August 2015

Zweistreifentag


Heute genau vor einem Jahr waren da plötzlich und relativ unerwartet zwei Streifen. 
Was in dem Jahr alles passiert ist, das erleben andere nicht in ihrem ganzen Leben. 

Da waren ganz schön tiefe Täler dabei, aber alles in allem muss ich sagen, dass ich (wie immer) nichts davon missen möchte, denn alles was passiert ist, hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich jetzt bin und ich muss sagen, den kann ich ziemlich gut leiden. 

Die zwei Streifen sind nun schon 18 Wochen alt und haben bereits zwei Zähne. Total übertriebene Hektik, wenn man uns fragt. Solange ich keine Stücke in der Milch habe, sind die doch völlig überflüssig. Aber nicht nur dental legt die Schildkröte ein irres Tempo vor. Dank ihres Schicksals die gesamte Garderobe ihrer großen Schwester geerbt zu haben, können wir anhand dessen gut vergleichen. Morla trägt bereits jetzt Klamotten, die der Tintenfisch erst mit 6 Monaten anhatte. (Daten vom 29.08.: 65 cm und 5.800g)

Wenn man von jetzt auf die Zukunft schließen kann, dann dürfte Morla noch größer werden als der Tintenfisch. Na Prost. Und mit 10 spucken sie mir dann beide bereits auf den Scheitel. Ich bin in 10 Jahren die Einzige, die in der Küche nicht ohne Hilfsmittel an die oberen Schränke anreicht. Ich kann mir jetzt schon ausmalen, wie das wird. Man wird mich, im wahrsten Sinne des Wortes, am langen Arm verhungern lassen. Die Keksdose steht im Regal ganz oben und die drei Hochgewachsenen lachen den Erdnuckel aus. Na toll. Dann muss ich wohl anderweitig dafür sorgen, dass man zu mir aufschaut! 


Schaff dir Kinder an....Kindermund die Erste und bestimmt nicht die Letzte

Schaff dir Kinder an und du kannst was erzählen.



Dass das mehr als stimmt, kann wohl jeder bestätigen, der sich seinerseits bereits fortgepflanzt hat.
Nicht nur, dass einem als frischgebackene Eltern niemals der Gesprächsstoff über durchwachte Nächte, Produktionsgeschwindigkeit und Konsistenz des Windelinhaltes oder Wundermittel gegen Bauchweh ausgeht, nein der Nachwuchs sorgt auch anderweitig immer wieder für ausreichend Kaffeeklatschmaterial.

Ich dachte meinerseits eigentlich immer, dass sobald die Kurzen der deutschen Sprache mehr oder minder Herr werden, seien die herrlichen Versprecher und Wortneuschöpfungen vorbei. Weit gefehlt. Mit zunehmendem Horizont werden die kreativen Ergüsse sogar mehr.

Und der Spaß wird noch größer, wenn man in unserer Familie lebt. Mein Mann und ich sind nämlich durchaus in der Lage mit nur zwei Mitspielern "stille Post" zu spielen. Für die Unwissenden: "Stille Post" ist ein Kinderspiel bei dem eine Reihe von Kindern in einer Reihe sitzt. Der erste (oder der Letzte, wie alles eine Frage der Perspektive) flüstert seinem Nebenmann einen Satz ins Ohr. Der wiederum flüstert es seinem Nebenmann ins Ohr und so weiter, bis das geflüsterte Wort am Ende der Reihe angekommen ist und dann laut ausgesprochen wird. Sinnigerweise werden komplizierte, lange und an sich schon missverständliche Schachtelsätze gewählt damit am Ende dann etwas spaßiges dabei rauskommt. Mein Mann und ich brauchen keine Unterstützung um aus einem Satz unseres Gegenübers etwas vollkommen anderes zu verstehen. Wir sind Nuschler, Klickerer und Schnellsprecher, da bleibt sowas nicht aus und führt immer wieder zu herzhaften Lachflashes.

Wenn dann zu unserer Nuschelei auch noch kindliche Logik kommt, krümmen wir uns alle drei vor Lachen.

Die Große setzt sich aus gegebenem Anlass momentan sehr mit dem Thema "Groß werden" auseinander. Sie selbst hat enorme Schmerzen, wenn sie wieder in einem Wachstumsschub steckt und hörte jetzt von einem ihrer Klassenkameraden, dass es diesem genauso ergeht und er wegen seiner Rückenschmerzen zum Arzt musste. Der Arzt hatte dann wohl eine Beinlängendifferenz festgestellt, was den Tintenfisch überaus faszinierte. "Mama, der .... hat ein Bein kürzer als das andere!" erzählte sie mir schon auf dem Nachhauseweg am Freitag. Sie berichtete in aller Ausführlichkeit, was ihr Kamerad erlebt hatte und was es mit den zwei unterschiedlich langen Beinen auf sich hatte. Ich muss dazu sagen, dass mein kleiner Tintenfisch ein Hypochonder ist. Sie verlangt des öfteren lautstark und dramatisch nach einem Druckverband. Ich lasse mir dann gern Zeit mit der Wundversorgung. Denn aus der meist stecknadelkopfgroßen Wunde tritt nicht mal ein Blutatom aus. Bis ich die speziellen Pflaster dann gefunden hab, ist die Verletzung wieder vergessen.
Das Thema zu kurze Beine aber musste ausführlich erörtert werden und kreiste immer wieder durch ihr hübsches Köpfchen. Ich erzählte ihr dazu das, was mein Osteopath mir einmal erzählt hatte. Nämlich dass fast alle Menschen ein kürzeres Bein haben aufgrund von Haltungsfehlern. Ich erzählte ihr von flüssigkeitsgefüllten Bandscheiben, von gestauchten Wirbelsäulen am Abend, etc. Wusste sie schon alles. Von ihrem Nachmittagskurs "Kleiner Rücken ganz groß" und Checker Chan oder "Wissen macht Ah!" - das weiß ich nicht mehr so genau.
Jedenfalls bot diese "Behinderung" ihres Kameraden für die 45 minütige Fahrt vom Flughafen nach Hause viel Gesprächsstoff. Doch irgendwann war die Musik wieder wichtiger und sie schaute nur noch mitsummend aus dem Fenster und hing ihren Gedanken nach.
Ich hatte das Thema bereits ad acta gelegt, dachte das hätten wir geklärt. Bis der Tintenfisch nach unserer Ankunft plötzlich mitten im Gehen stoppt, an sich herunter guckt und mir mitteilt "Mama, meine Beine sind aber gleich lang. Kommen beide bis auf den Boden!"

Tintenfischs größte Aufmerksamkeit gilt natürlich ihrer kleinen Schwester. Mittlerweile ist die Schildkröte Morla schon fast vier Monate alt und schläft des öfteren auch durch. (ich möchte anmerken, dass man schon ab 5 Stunden von durchschlafen spricht!) Immer öfter aber eben auch nicht. Und da überlegt man als junges Elternpaar schon mal, warum das so ist. Nur suchen wir den Fehler immer am falschen Ende - dem Baby. Der Tintenfisch kam mit der simplen wie genialen Lösung unseres Schlafproblems um die Ecke: "Mama, ist doch klar, dass Morla nicht durchschläft. Wenn du sie ständig mit deinen Brüsten bedrängst.....!" Mein Mann hat mich daraufhin gebeten, das arme Baby nicht weiter zu belästigen. Wenn ich jemanden mit meinen Brüsten bedrängen müsse, dann würde er sich opfern damit unsere arme Tochter endlich in Ruhe schlafen kann.


Donnerstag, 4. Juni 2015

Schildkrötenromantik

Die Raupe ist da!

Seit 6 Wochen schon. Und sie hat sich zu einer wunderschönen Schildkröte entpuppt! Ja, Schildkröte. Die Große bekam ihren Spitznamen Tintenfisch, weil sie direkt nach der Geburt aussah wie das Tintenfischbaby aus Men in Black I. Und nun haben wir eine kleine Morla. Wie die Schildkröte aus Michel Endes "Unendliche Geschichte". So wie sie ihr Kinn nach vorn reckt erwartet man, dass sie gleich altklug wispert "Jaaaa, wir wissen das" und dann niest sie meistens.



Es war eine traumhafte Geburt. Wirklich. Und obwohl nur 5-10% aller Schwangerschaften mit einem Blasensprung enden, hab ich es auch beim zweiten Mal wieder geschafft! Pünktlich zum Feierabend des Prinzen. Und nur 8 Stunden später hob ich mein kleines Mädchen aus der Gebärwanne an meine Mutterbrust. Okay, an den Mutterbauch. Die Schnur war zu kurz. 
Wir haben in den 8 Stunden viel gelacht, ich hab zwischen der ersten und der letzten Presswehe wiederholt, dass ich es echt nicht mehr schaffe, ich nicht mehr kann und bin dann tatsächlich jedesmal kurz weggenickt. Ich hab´s aber geschafft. Ohne Schmerzmittel mit 2,5 Presswehen und ohne Verletzungen. Sie kam wie Buzz Lightyear mit der Faust nach vorn gereckt raus und wir waren sofort schockverliebt. Sie ist unfassbar schön, über die Maßen goldig und unverschämt niedlich. Selbstverständlich ist sie das süßeste Baby auf der ganzen Welt!


Zu unserer großen Überraschung ist unsere jüngste Tochter ebenfalls blond! Sofort eingeleitete Nachforschungen ergaben allerdings, dass sie das wohl vom Vater hat. Der war in seiner Jugend ebenfalls strohig. Die Anfangsdaten hat sie von der großen Schwester einfach übernommen: 51cm (bös gestaucht, denn laut Oberschenkelmaß multipliziert mit 7 waren es gute 55cm) und 3580g. Nur den Hut braucht sie zwei Nummern kleiner als der Tintenfisch. 36cm taten aber trotzdem verdammt weh. 36cm plus Fäustchen eben. 

Ihre ersten Tage waren nicht so witzig, denn schon nach 48 Stunden wachte ich mit einem fiebernden Kind auf. Diagnose: Durstfieber. Unsere Morla hatte da schon über 12% ihres Geburtsgewichtes verloren und weil sie nicht wirklich Übergepäck mitgebracht hatte machte ihr das leider richtig zu schaffen. Ihr so süß geformtes Schnütchen und, wie wir mittlerweile wissen, zu kurzes Zungenbändchen verhinderten, dass sie genug Kolostrum bekam und sie kam nur haarscharf um einen Aufenthalt in der Kinderklinik herum. 

Trotz ihrer körperlichen Einschränkungen und dank Mamas Muttersahne hat sie es aber geschafft in vier Wochen stolze 1200g zuzunehmen und mittlerweile dürften wir die 5kg Marke geknackt haben. 

Heute habe ich begonnen die Klamotten in 50/56 auszuräumen und Platz für die bereits frisch gewaschene Kollektion in 62 zu schaffen. Sie ist einfach großartig! Wächst einfach schneller, damit sie bereits jetzt zum Beginn des Sommerwetters in die Sommersachen ihrer großen Schwester passt. Schließlich war der Tintenfisch ein Winterkind und trug diese Sachen erst mit 4-5 Monaten! Und ich dachte sie wäre schon groß gewesen! 

Wir freuen uns über endlich speckige Beinchen und Ärmchen. Die langen Spargelstangen, die sie als Arme mitgebracht hatte, die waren schon Mitleid erregend. Man hatte Angst sie kaputt zu machen, wenn man sie hochnahm. Jetzt ist sie ein süßes Moppelchen mit Pack an :D

Die Milch schmeckt nach wie vor super. So gut, dass sie immer noch alle zwei Stunden lautstark danach verlangt. Wenn sie auch sonst pflegeleicht ist und sich ruhig verhält, da kennt sie kein Pardon. Wenn sie Knast hat, dann ist Schluss mit lustig. Und da kann ich über die romantisierten Werbefilmchen von Herrn Hipp nur milde schmunzeln. Wie die grenzdebil lächelnde Mutter mit dem wallenden Haar ihrem ruhig nuckelnden Baby zärtlich übers Haupthaar streicht....Von solcher Romantik sind wir bei unseren Stillmahlzeiten weit entfernt. 

Die Milch wird wie gesagt nicht gesittet bestellt, sondern lautstark eingefordert. Und dann heißt es Tempo machen! Ich rede beruhigend (so hoffe ich) auf das brüllende Kind ein, dass ich es nur kurz ablegen muss, um mir eiligst das Stillkissen um den Körper zu schnallen und dann hektisch das Shirt hoch und den BH runterziehe, um dann das zappelnde, rot angelaufene Baby an meine Brust zu manövrieren. 
Damit das ganze unfallfrei bleibt muss ich ihre Ärmchen erst mal festhalten und ihren Mund in die richtige Richtung bugsieren. Sie weiß natürlich nicht, dass aus dem Kissen wirklich keine Milch kommt und versucht sich gegen meine Hilfestellung zu wehren. Man glaubt ja nicht, wie steif sich so ein ärgerlicher Säugling machen kann! Wenn sie die Brust dann endlich anvisiert hat, heißt es koordinieren: linke Hand unter ihrem Kopf, rechte Hand um die eigene Brust und versuchen ihr soviel Brust wie möglich mit dem Nippel in den Mund zu schieben, gleichzeitig ihren Kopf in Richtung Brust schieben und mit dem kleinen Finger der rechten Hand noch rechtzeitig die Babyunterlippe nach unten schieben. 
Nur damit sie im nächsten Moment wieder loslässt und nur noch am Nippel rumlutscht. Ich würde in solchen Momenten gern auf ein Moltontuch beißen, aber die Dinger sind überall, nur nie da wo ich sie brauche. Aber auch wenn sie dann endlich nuckelt und die Milch endlich fliesst setzt die Romantik auch nicht ein. Vielleicht wenn man das gierige Schmatzen aus- und die Fahrstuhlmusik einschalten könnte. 

Auch nach der Mahlzeit komme ich mir eher vor wie auf einer Baustelle und ich habe gerade den Polier vor mir, der mich grunzend ansieht und dann aus tiefster Seele rülpst. Fehlt nur, dass sie mit ihrem Daumen mit abgespreiztem kleinen Finger an die Stirn fasst und stolz "Schuuuulz" ruft. Gerne folgt einem solchen Rülpser noch eine ganze Kakophonie des Darmorchesters. 

Romantik ist wahrlich was anderes. Aber ich weiß jetzt wo die Liebe hin ist, wenn sie durch den Magen durch ist. Sie kommt zurück. 

Wenn sie dich bei ihrem zweiten "Bauer" breit lächelnd ankotzt. 

Es geht weiter...

...lange hab ich diesen Blog links liegen lassen. Weil es eine Zeit gab, da war mir nicht danach irgendjemanden an meinem Leben teilhaben zu lassen. Eine Zeit, die mich ohnmächtig und bewegungsunfähig machte.

Wenn dich die Menschen, denen du mehr vertraut hast als irgendwem in deinem Leben einfach fallen lassen und dir den Rücken zudrehen, dann kommen keine Worte mehr.

Wenn die Menschen, denen du dein Innerstes anvertraut hast dieses Urvertrauen bis aufs Mark erschüttern und deine Welt aus den Angeln heben, dir den Boden unter den Füßen wegziehen und alles woran du geglaubt hast sich als Illusion deiner eigenen Bedürftigkeit entpuppt, dann bleibt einzig Fassungslosigkeit und eine bleierne Schwere.

Als ich nur noch von Groll, Wut und unendlicher Traurigkeit erzählen konnte, habe ich das Erzählen eingestellt.

Bis jetzt. Ich bin kein Opfer. Ich lasse los was mich beschwert und kann mich wieder auf die und das konzentrieren, die mir guttun, die mich unterstützen und was mich wirklich glücklich und fröhlich macht.

Denn mein Leben ist ganz wunderbar! Es ist voller wundervoller Momente, voller Freude, voller Lachen und unfassbar viel Liebe.
Und von all diesem Glück möchte ich etwas weitergeben. Denn Glück vervielfacht sich, wenn man es teilt.

Ich weiß wie es in der Hölle aussieht, ich war längst da. Ich trage die Asche an meinen Füßen. Ich bin knietief durch die Scheiße gewatet. Ich hab immer wieder eins voll in die Fresse gekriegt.
Ich bin trotzdem oder gerade deswegen fest entschlossen vollkommen glücklich zu sein.

Ich hab nur dieses eine Leben und aus der Nummer komm ich eh nicht lebend raus.

Gekreuzigt, beerdigt und? AUFERSTANDEN