Manchmal bin ich so gut, dass ich mich selbst erschrecke. Da rede ich in meinem letzten Post von unserem Haus, davon, wie explizit ich mir unser Heim vorstelle und keine Stunde nach der Veröffentlichung klingelt mein Telefon. Die Vermieter! Das Haus gehört zwei Parteien und obwohl einer der beiden eigentlich lieber verkaufen statt vermieten wollte, konnte die Zweite im Bunde ihn davon überzeugen, an uns zu vermieten! Wann wir uns denn endlich persönlich kennenlernen würden, er habe schon soviel Gutes von uns gehört, nun würde er uns doch gern endlich treffen.
Ich habe gejubelt und bin durch die Wohnung gehüpft, nachdem wir alles weitere besprochen und aufgelegt hatten. Ist das nicht unglaublich?! Wie schnell doch Wünsche in Erfüllung gehen, wenn man sie artikuliert....
Mittlerweile bin ich wieder mal in der neuen Heimat und laufe seit Tagen mit einem Dauergrinsen durch die Gegend. Ich fühl mich großartig! Seit ein paar Tagen spüre ich die ersten leisen Tritte von unserer Raupe, mein Bauch ist mächtig gewachsen und ist schon jetzt ein richtig schöner Babybauch. Ständig habe ich eine Hand auf dem Bauch und halte auch immer wieder Zwiesprache mit meinem Untermieter. Vergessen sind die anfänglichen Zweifel und Ängste. Ich bin einfach nur noch glücklich. Unverschämt glücklich. Und wahnsinnig dankbar. Und schwupp di wupp löst sich ein Knoten nach dem anderen. Dinge, die mich seit Wochen belasten lösen sich in Wohlgefallen auf. Ich bin wieder auf meinem Butterbötchen unterwegs und alles läuft wie von selbst.
Ich sagte ja bereits, dass meine Familie die beste überhaupt ist, aber von solchen Brüdern wie den meinen kann man nur träumen. Der Kleine hat uns quasi genötigt für die nächsten Wochen, in denen ich hier bin, sein Auto zu nehmen, damit wir mobil sind. Er war richtig böse, weil wir ihn noch nicht gefragt hatten. Der Große hat uns einen Babysitz samt Easyfix zu einem sehr fairen Preis in einem Topzustand organisiert. Es treibt mir die Tränen in die Augen, wenn ich sehen, wie sehr ich, nein wir geliebt werden. Dass ich nicht im Kreis grinse, das verdanke ich einzig meinen Ohren. Ich weiß, ich bin gefühlsduselig, ich darf das, ich bin schwanger!
Der Tintenfisch geht in ihrer Rolle als große Schwester auf. Kocht für das Baby, bepinselt den Bauch, macht Zupfmassagen und singt Lieder in den Bauch. Jetzt ist sie noch zwei Tage mit Papa in den Ferien, bevor sie das erste Mal allein fliegt. Sie ist aufgeregt und freut sich. Ich bin noch aufgeregter. Ich wär am liebsten dabei, um Mäuschen zu spielen und zu gucken, ob es ihr auch wirklich gut geht. Was, wenn sie Druck auf den Ohren hat und vergisst, wie man den Druck ausgleicht. Auch wenn wir das vorher noch geübt haben? Was wenn ihr übel wird, sie Angst bekommt, sich einsam fühlt? Stopp. Da war doch was....
Sie genießt den Flug natürlich und lässt sich wie eine Prinzessin bedienen. Und am Flughafen springt mir ein aufgedrehtes und fröhliches Tintenfischchen an den dicken Bauch. :)
Oder auch nicht. Denn wenn sie den Papa ihres Geschwisterchens entdeckt, den sie acht Wochen nicht gesehen hat, dann wird sie ihm in die Arme fliegen und ich wette, da werden auf beiden Seiten ein paar Freudentränchen kullern. Ich freu mich so sehr auf meine Große, dass kann ich in Worte gar nicht fassen.
Anfang nächster Woche wird sie beim nächsten Frauenarzttermin dabei sein. Da in der Praxis auch 3D Ultraschall gemacht werden kann, wollte ich mal nachfragen, ob man zwischendurch nicht mal einfach umschalten kann. Damit die große Schwester auf den Bildern auch was erkennen kann. Ob sich die kleine Raupe wohl schon outet? Ich bin so gespannt. Ich möchte so gerne wissen, ob sich die Vorahnung der großen Schwester bewahrheiten.
Egal ob männliche oder weibliche Raupe, kräftige Beinchen hat dieses winzige Menschlein in meinem Bauch allemal. Jeden Abend um die gleiche Uhrzeit habe ich Zumbastunde in meiner Bauchwohnung. Da wird von rechts nach links gehüpft, gegen die Wände getreten und ordentlich Rambazamba gemacht. Der ältere Onkel mütterlicherseits hatte hingegen eine andere Vermutung.
Das Kind käme da eindeutig nach dem talentierten Vater, seines Zeichens Maler und Lackierer. Mein Bauchbewohner sei sicher gerade dabei, die Ein-Zimmer-Wohnung zu verschönern. Rot ist nicht gerade seine Vorstellung von einer gemütlichen Wandgestaltung, also wird kurzerhand renoviert. Neue Tapete, neuer Anstrich. Und bei der Intensität, die ich da mitkriege, könnte ich wetten, die Raupe ist gerade dabei sich ein Fenster in die Gebärmutterwand zu stemmen. Ist ja fürchterlich dunkel da drin.
Oder sie hat sich ein Schwimmbad gebaut und zieht fleißig ihre Bahnen. Denn die Geräusche, die ich mit unserer neuesten Errungenschaft, dem Angelsound, vernommen habe, die klingen verdächtig danach. Das, was ich finden und hören wollte, die Herztöne des Babys, konnte ich nicht ausmachen. Meinen eigenen, ja. Schwimmgeräusche und Darmbewegung, ja. Und ich konnte sehr deutlich spüren, was die Raupe von der Aktion hielt. Gar nichts. Hat sich mit Händen und Füßen gewehrt und gegen den Lärm protestiert. Okay, wir lassen sie dann erst mal in Ruhe. Auch wenn die Neugier groß ist.
Nächste Woche gehen dann auch die Vorbereitungen für die Hochzeit in die finale Runde. Ich bin aufgeregt. Ich freue mich wahnsinnig. Und übe bereits fleißig daran, die Rede zu halten ohne in Tränen auszubrechen. Ich hab so was von nah am Wasser gebaut, ich weiß nicht, wie ich das hinkriegen soll. Mut antrinken fällt auch aus. Ich muss mir noch eine Taktik überlegen. Zur Not setz ich Braut und Bräutigam eine rote Pappnase auf. Das müsste gehen.
Klar, ich hab schon viele Paare getraut ohne zu heulen, aber hey! Das hier ist mein kleiner Bruder! Da sitzt meine komplette Familie. Das ist das erste mal, dass sie überhaupt sehen, was ich beruflich mache. Keiner außer meiner Tochter und meinem Mann haben je eine Zeremonie von mir mitgemacht. Meine Eltern haben mich höchstens mal singen hören, Konzerte von mir besucht. Und mein Papa hat jedes Mal geweint. Tolle Vorraussetzungen also. Es wird schon klappen. Ich bin wahrscheinlich so aufgeregt und konzentriert, dass ich gar keine Zeit haben werde Tränen zu produzieren. Die Rede habe ich so noch nie gehalten, die ist komplett neu und überarbeitet. Noch persönlicher, noch witziger, noch emotionaler. Ich freu mich sehr drauf!
Gestern war ich im Dekoladen, um noch das ein oder andere für die Feier zu sichten, habe aber nichts gefunden. Es war alles schon weihnachtlich dekoriert und weil ich schon mal da war, hab ich mich mal durch die Ausstellung gekugelt. Und da waren sie wieder, die Bilder von unserem neuen Zuhause. Weihnachtlich geschmückt in silber, weiß, hellbraun und zartem grün. An der Eingangstür ein dicker Kranz aus Weidenzweigen, auf den Fensterbänken und den Stufen in der Treppe stehen Teelichte und Stumpenkerzen in Laternen und hohen Windlichtern. In der Diele hängt ein riesiger Stern aus Zweigen an der Wand. In der Küche hängen Haselnussäste, die mit Kugeln und weißen Blüten geschmückt sind und an der Wand hängen die selbstgefüllten Adventskalender für die Kinder. Im Kamin knistert das Feuer und auf dem Kamin liegt eine Schale mit gespickten Orangen. Das ganze Haus duftet danach. Die Terrasse ist mit Lichterketten und Tannengirlanden geschmückt, der Holzboden knarzt und ich sitze mit einem heißen Punsch und einem guten Buch unter der Kuscheldecke auf unserer Couch.
Seht ihr es auch vor euch? Könnt ihr die Orangen riechen? Hört ihr das Feuer knistern? Dann wird es wohl so sein.....
Donnerstag, 16. Oktober 2014
Mittwoch, 8. Oktober 2014
Butterboot
Seit meinem letzten Post sind einige Tage vergangen und ich hatte Zeit mich zu erholen.
Nach den ganzen Sorgen und Gedanken, die ich mir gemacht habe, war das verlängerte und dazu doch fast sommerliche Wochenende genau das Richtige.
Ich hatte wunderschöne Tage zusammen mit meinen Liebsten. Freitag großer Familienausflug samt allen Brüdern, samt Partnern und Kindern zum Stoffemarkt nach Holland bei strahlendem Sonnenschein.
Abends gab es ein nettes Treffen zur Vorbereitung der anstehenden Hochzeit in zweieinhalb Wochen. Das Treffen erstreckte sich bis kurz vor Mitternacht - es war ein ganz besonders lustiger Abend!
Am Samstag war es dann soweit, mein kleiner Bruder hatte seinen Junggesellenabschied. Sein Trauzeuge hatte unter anderem eine Tour mit einem Bierbike organisiert und zu elft haben sie ihn damit zu Hause abgeholt. Meine Mutter und ich haben es uns nicht nehmen lassen, diese ganze Aktion für die Nachwelt festzuhalten. Das muss er ja schließlich irgendwann seinen Kindern zeigen können! Die sollen ruhig wissen, was ihr Vater für ein verrücktes Huhn ist.
In ein rosa Tüllröckchen mit Hasenöhrchen und Puschelschwänzchen gekleidet stieg er dann zu seinen Freunden aufs Bike und die Tour konnte anfangen. Aber schon nach wenigen Metern mussten die eigentlich in vollem Saft stehenden Radler kapitulieren. Der Anstieg kurz nach dem Start war dann doch zu steil. Auf der Hälfte des Berges hatten alle Mitstrampelnden einen Mindestpuls von 210 und ihre Gesichtsfarbe ähnelte besorgniserregend der Farbe des Tüllröckchens des Bräutigams.
Groben Schätzungen zu folge war das Bike samt 11 Junggesellen plus Guide mit mindestens 2,5to Gesamtgewicht nicht den Berg hinaufzubefördern. Also stiegen die Obelixe der Gesellschaft kurzerhand ab, um das Bike die Steigung hinaufzuschieben. All das konnten wir leider nicht live beobachten, meine Ma und ich, aber das Stöhnen und Ächzen war auch in der Parallelstraße in der wir warteten nicht zu überhören. Endlich oben angekommen war der Jubel groß. Was für Kerle!
Wir nahmen als Pressebegleitfahrzeug die Verfolgung auf und machten, wie ich fand einen sehr guten Job. Da sind doch sehr schöne Fotos und Videos entstanden!
Drei Stunden haben wir den Tross verfolgt und dann sich selbst und den Resten aus dem 30l Fässchen überlassen.
Meine Ma und ich hatten im Laufe des Nachmittages dann beschlossen, wir könnten uns nach getaner , harter Arbeit ruhig auch etwas gönnen und ließen den Tag am See ausklingen. Ich weiß nicht wie lange das her ist, wenn es so etwas überhaupt schon mal gab: Meine Mutter und ich, ganz für uns, Mutter und Tochter einen ganzen Tag zusammen verbracht und abends zusammen sitzen, was trinken, was essen und über Gott, die Welt und das Baby quatschen. Es war einfach nur schön.
Ein wirklich wunderschöner Tag, der mir und meinen Seelenheil sehr gut getan hat.
Allerdings fand die Raupe die ganzen Aktivitäten wohl nur so mittelgut, denn am Sonntag hatte ich wieder mit Kreislaufproblemen, Übelkeit und Bauchschmerzen zu kämpfen. Also habe ich mir selbst Ruhe und ausgiebiges Rumgammeln verordnet. Aber wohl doch noch zu wenig. Denn als ich Montagmorgen um 5 Uhr früh aufstand, um mich für die Abreise in den Norden fertig zu machen, da schaute ich mir die Toilettenschüssel noch mal von innen an. Schade, ich dachte das sei vorbei.
Dementsprechend war die Zugfahrt nach Hamburg spannend. Ich habe zwar drei von vier Stunden Fahrt verschlafen, aber das war reiner Selbstschutz. Die paar Schlückchen Wasser und ich fochten einen erbitterten Kampf aus, wer sich wohin bewegen durfte. Ich gewann zum Glück. Ich kann mir schönere Orte als eine Zugtoilette vorstellen, um mein Frühstück revue passieren zu lassen.
Zurück in meinem Zweitwohnsitz, wie ich meine Wohnung hier oben mittlerweile liebevoll nenne, holte mich dann schnell der Alltag ein. Hier kommt er mir viel anstrengender vor. Aber hier bin ich auch den ganzen Tag alleine, während der Tintenfisch in der Schule ist und ich habe zu viel Zeit, um mir Gedanken zu machen. Auch wenn ich mich bei negativen Gedanken sofort ermahne und sie durch positive ersetze. Ich schlafe sehr schlecht ein, auch wenn ich todmüde bin und dann wird mein Gehirn zum Arschloch. Dann kommen all die fiesen Sachen hoch, die mir Anfang des Jahres widerfahren sind und auch uralte Begebenheiten, wo man mich über den Tisch gezogen und schamlos ausgenutzt hat. Aber was nützt es, dem nachzuhängen? Gar nichts. Es ist vorbei, geschehen und nicht zu ändern. Ich glaube daran, dass es so etwas wie Karma gibt und das man das, was man gibt zurückbekommt. Und wenn ich mich schlecht gegenüber Anderen verhalte und ihnen schade, dann trifft mich das irgendwann selbst. Gottes Mühlen halt. Ich will und werde mein Leben nicht von Rachegedanken verbittern lassen. Also habe ich gestern ein neues Einschlafritual eingeführt.
Von einem Haselstrauch, der auf unserem zukünftigen Grundstück wächst, habe ich eine Haselnuss mitgenommen. Gestern Abend, als ich wieder nicht schlafen konnte und das Gedankenkarussell wieder dabei war sich selbst an zuschmeißen, da nahm ich mir diese Nuss in die Hand und malte mir in allen schillernden Farben aus, wie unser Leben in diesem Haus aussieht. Wie wir eingerichtet sind, wie die Kinder im Garten spielen, wie wir die Terrasse aus Douglasienholz überdachen und mit Sonnensegeln verschönern können, von meinem Gemüsegarten und dem kleinen Treibhaus, in dem ich mit der Großen Möhren, Tomaten und Zucchini (gelbe natürlich) pflanze, pflege und ernte. Wie der Tintenfisch mit dem Rad die Oma besuchen fährt, wie sie ihrem Geschwisterchen auf dem Rasen in der Sonne das Laufen beibringt. Wie wir gemeinsam die Haselnüsse im nächsten Herbst sammeln, knacken und unseren selbstgebackenen Kuchen oder das Brot damit verfeinern. Ich seh meine Große in Gardeuniform die Treppe runterkommen, mit leuchtenden Augen und vor Aufregung ganz hibbelig, weil sie Karneval wieder miterleben darf. Ich sah mich mit Kinderwagen vor ihrer neuen Schule auf sie warten und sah wie sie mir, mit ihrem Ranzen bepackt, in die Arme springt. Ich sah und sehe das alles ganz klar vor mir. Und diese Gedanken haben gestern dazu geführt, dass ich, mit den Beinen des Tintenfischs verknotet, selig eingeschlummert bin und auch jetzt zaubern sie mir wieder ein Lächeln ins Gesicht.
Als ich mir damals meinen Traummann wünschte, da erfüllte mich allein bei der Vorstellung die gleiche Freude und Dankbarkeit wie in diesem Augenblick. Deswegen bin ich ganz sicher, dass sich alles genauso entwickeln wird. Genauso wie damals. Ich sag doch, ich kann auf Butter schwimmen. Kann jeder, ist eigentlich ganz einfach, wenn auch nicht immer leicht. Also jedem sein Butterboot und fröhlich grinsend weitergepaddelt.
Nachdem ich dies hier geschrieben habe, entdeckte ich auf der Suche nach einem Bild einer Haselnuss folgende Ausführungen bei wikipedia:
Nach den ganzen Sorgen und Gedanken, die ich mir gemacht habe, war das verlängerte und dazu doch fast sommerliche Wochenende genau das Richtige.
Ich hatte wunderschöne Tage zusammen mit meinen Liebsten. Freitag großer Familienausflug samt allen Brüdern, samt Partnern und Kindern zum Stoffemarkt nach Holland bei strahlendem Sonnenschein.
Abends gab es ein nettes Treffen zur Vorbereitung der anstehenden Hochzeit in zweieinhalb Wochen. Das Treffen erstreckte sich bis kurz vor Mitternacht - es war ein ganz besonders lustiger Abend!
Am Samstag war es dann soweit, mein kleiner Bruder hatte seinen Junggesellenabschied. Sein Trauzeuge hatte unter anderem eine Tour mit einem Bierbike organisiert und zu elft haben sie ihn damit zu Hause abgeholt. Meine Mutter und ich haben es uns nicht nehmen lassen, diese ganze Aktion für die Nachwelt festzuhalten. Das muss er ja schließlich irgendwann seinen Kindern zeigen können! Die sollen ruhig wissen, was ihr Vater für ein verrücktes Huhn ist.
In ein rosa Tüllröckchen mit Hasenöhrchen und Puschelschwänzchen gekleidet stieg er dann zu seinen Freunden aufs Bike und die Tour konnte anfangen. Aber schon nach wenigen Metern mussten die eigentlich in vollem Saft stehenden Radler kapitulieren. Der Anstieg kurz nach dem Start war dann doch zu steil. Auf der Hälfte des Berges hatten alle Mitstrampelnden einen Mindestpuls von 210 und ihre Gesichtsfarbe ähnelte besorgniserregend der Farbe des Tüllröckchens des Bräutigams.
Groben Schätzungen zu folge war das Bike samt 11 Junggesellen plus Guide mit mindestens 2,5to Gesamtgewicht nicht den Berg hinaufzubefördern. Also stiegen die Obelixe der Gesellschaft kurzerhand ab, um das Bike die Steigung hinaufzuschieben. All das konnten wir leider nicht live beobachten, meine Ma und ich, aber das Stöhnen und Ächzen war auch in der Parallelstraße in der wir warteten nicht zu überhören. Endlich oben angekommen war der Jubel groß. Was für Kerle!
Wir nahmen als Pressebegleitfahrzeug die Verfolgung auf und machten, wie ich fand einen sehr guten Job. Da sind doch sehr schöne Fotos und Videos entstanden!
Drei Stunden haben wir den Tross verfolgt und dann sich selbst und den Resten aus dem 30l Fässchen überlassen.
Meine Ma und ich hatten im Laufe des Nachmittages dann beschlossen, wir könnten uns nach getaner , harter Arbeit ruhig auch etwas gönnen und ließen den Tag am See ausklingen. Ich weiß nicht wie lange das her ist, wenn es so etwas überhaupt schon mal gab: Meine Mutter und ich, ganz für uns, Mutter und Tochter einen ganzen Tag zusammen verbracht und abends zusammen sitzen, was trinken, was essen und über Gott, die Welt und das Baby quatschen. Es war einfach nur schön.
Ein wirklich wunderschöner Tag, der mir und meinen Seelenheil sehr gut getan hat.
Allerdings fand die Raupe die ganzen Aktivitäten wohl nur so mittelgut, denn am Sonntag hatte ich wieder mit Kreislaufproblemen, Übelkeit und Bauchschmerzen zu kämpfen. Also habe ich mir selbst Ruhe und ausgiebiges Rumgammeln verordnet. Aber wohl doch noch zu wenig. Denn als ich Montagmorgen um 5 Uhr früh aufstand, um mich für die Abreise in den Norden fertig zu machen, da schaute ich mir die Toilettenschüssel noch mal von innen an. Schade, ich dachte das sei vorbei.
Dementsprechend war die Zugfahrt nach Hamburg spannend. Ich habe zwar drei von vier Stunden Fahrt verschlafen, aber das war reiner Selbstschutz. Die paar Schlückchen Wasser und ich fochten einen erbitterten Kampf aus, wer sich wohin bewegen durfte. Ich gewann zum Glück. Ich kann mir schönere Orte als eine Zugtoilette vorstellen, um mein Frühstück revue passieren zu lassen.
Zurück in meinem Zweitwohnsitz, wie ich meine Wohnung hier oben mittlerweile liebevoll nenne, holte mich dann schnell der Alltag ein. Hier kommt er mir viel anstrengender vor. Aber hier bin ich auch den ganzen Tag alleine, während der Tintenfisch in der Schule ist und ich habe zu viel Zeit, um mir Gedanken zu machen. Auch wenn ich mich bei negativen Gedanken sofort ermahne und sie durch positive ersetze. Ich schlafe sehr schlecht ein, auch wenn ich todmüde bin und dann wird mein Gehirn zum Arschloch. Dann kommen all die fiesen Sachen hoch, die mir Anfang des Jahres widerfahren sind und auch uralte Begebenheiten, wo man mich über den Tisch gezogen und schamlos ausgenutzt hat. Aber was nützt es, dem nachzuhängen? Gar nichts. Es ist vorbei, geschehen und nicht zu ändern. Ich glaube daran, dass es so etwas wie Karma gibt und das man das, was man gibt zurückbekommt. Und wenn ich mich schlecht gegenüber Anderen verhalte und ihnen schade, dann trifft mich das irgendwann selbst. Gottes Mühlen halt. Ich will und werde mein Leben nicht von Rachegedanken verbittern lassen. Also habe ich gestern ein neues Einschlafritual eingeführt.
Von einem Haselstrauch, der auf unserem zukünftigen Grundstück wächst, habe ich eine Haselnuss mitgenommen. Gestern Abend, als ich wieder nicht schlafen konnte und das Gedankenkarussell wieder dabei war sich selbst an zuschmeißen, da nahm ich mir diese Nuss in die Hand und malte mir in allen schillernden Farben aus, wie unser Leben in diesem Haus aussieht. Wie wir eingerichtet sind, wie die Kinder im Garten spielen, wie wir die Terrasse aus Douglasienholz überdachen und mit Sonnensegeln verschönern können, von meinem Gemüsegarten und dem kleinen Treibhaus, in dem ich mit der Großen Möhren, Tomaten und Zucchini (gelbe natürlich) pflanze, pflege und ernte. Wie der Tintenfisch mit dem Rad die Oma besuchen fährt, wie sie ihrem Geschwisterchen auf dem Rasen in der Sonne das Laufen beibringt. Wie wir gemeinsam die Haselnüsse im nächsten Herbst sammeln, knacken und unseren selbstgebackenen Kuchen oder das Brot damit verfeinern. Ich seh meine Große in Gardeuniform die Treppe runterkommen, mit leuchtenden Augen und vor Aufregung ganz hibbelig, weil sie Karneval wieder miterleben darf. Ich sah mich mit Kinderwagen vor ihrer neuen Schule auf sie warten und sah wie sie mir, mit ihrem Ranzen bepackt, in die Arme springt. Ich sah und sehe das alles ganz klar vor mir. Und diese Gedanken haben gestern dazu geführt, dass ich, mit den Beinen des Tintenfischs verknotet, selig eingeschlummert bin und auch jetzt zaubern sie mir wieder ein Lächeln ins Gesicht.
Als ich mir damals meinen Traummann wünschte, da erfüllte mich allein bei der Vorstellung die gleiche Freude und Dankbarkeit wie in diesem Augenblick. Deswegen bin ich ganz sicher, dass sich alles genauso entwickeln wird. Genauso wie damals. Ich sag doch, ich kann auf Butter schwimmen. Kann jeder, ist eigentlich ganz einfach, wenn auch nicht immer leicht. Also jedem sein Butterboot und fröhlich grinsend weitergepaddelt.
Nachdem ich dies hier geschrieben habe, entdeckte ich auf der Suche nach einem Bild einer Haselnuss folgende Ausführungen bei wikipedia:
Kulturelle Bedeutung[Bearbeiten]
Die Hasel ist ein Symbol für Lebens- und Liebesfruchtbarkeit; Unsterblichkeit; Frühling und glückhaften Beginn; Wunscherfüllung; Glück. [...]
Dem Strauch wurden auch abwehrende Eigenschaften zugesprochen: Mit einem Haselzweig sollte man sich der Schlangen und Hexen erwehren können. Daher wünschte sich auch Aschenputtel eine Haselgerte für das Grab ihrer Mutter.
Haseln wurde und wird die Eigenschaft zugeschrieben, Kraftströme fließen zu lassen. Daher werden Haselruten als Wünschelruten verwendet. Der Strauch soll auch vor Blitzschlag schützen und störende Erd- und Wasserstrahlen ableiten. Der Haselzauber war zwar schon in frühfränkischer Zeit (Lex Ripuaria) verboten worden, blieb aber noch über Jahrhunderte bestehen. Der Glaube an die Wünschelrute blieb bis ins 17. Jahrhundert allgemein verbreitet.[...]
Als Glücksbringer und Fruchtbarkeitssymbol wurden in Rom, in England und in Südwestdeutschland der Braut bei der Hochzeit ein Korb mit Haselnüssen geschenkt, oder man bewirft das Brautpaar mit Haselnüssen. Im alten Rom warf der Bräutigam Nüsse unter die Gäste.
Muss ich dazu noch etwas sagen....?
Mittwoch, 1. Oktober 2014
Hallo Wolke 7 - ich bin hier unten!
Ja, eine Schwangerschaft ist nicht nur Freude und Glückseligkeit, sondern leider auch das Gegenteil. Es geht einem nicht immer gut und es kreisen einem Gedanken durch den Kopf, die man lieber nicht hätte und die man laut gar nicht aussprechen mag.
Von Himmel hoch jauchzend - zu Tode betrübt. So heißt es so schön. Und das trifft es. Leider.
Klar, grundsätzlich bin ich glücklich, bin ich voller Aufregung und Vorfreude, aber es ist ehrlicher Weise halt nicht nur das. Und auch das, finde ich, muss man mal sagen.
Meine jetzige Schwangerschaft steht unter einem komplett anderen Stern, als meine erste. Damals war alles gesettled, wie man neudeutsch so schön sagt. Ich war finanziell mehr als abgesichert, das Häuschen im Grünen samt Hund und rechtmäßig angetrautem Ehemann wartete nur auf die Komplettierung durch das neue Baby. Das diese Idylle nur kurz anhielt, das steht auf einem anderen Blatt.
Heute sieht das anders aus. Vater und Mutter sind nicht seit Jahren, sondern erst seit einigen Monaten ein Paar, sie haben auch nicht jahrelang ein Kind geplant, sondern es kam einfach mal so. Mama und Papa wohnen bis jetzt nicht mal zusammen. Das große Geschwisterchen freut sich zwar nen zweiten Bauchnabel, dass sie endlich große Schwester wird, aber um das auch leben zu können, wird sie die Schule wechseln und ihre bisher vertraute Umgebung verlassen. Was der Kindsvater nur mit mäßiger Begeisterung aufnimmt.
Ich will ganz ehrlich sein. Ich liege so manche Nacht wach und frage mich, wie wir das alles schaffen wollen, ohne Schaden zu nehmen. Und im gleichen Moment schelte ich mich für solche Gedanken, weil es undankbar und Schwarzmalerei ist. Was ist mit dem Gesetz der Anziehung? Du bist was du denkst und fühlst. Also weg mit den schlechten Gedanken und her mit den rosaroten. Her mit dem Mantra "Alles wird gut, derjenige, der euch euer Baby geschickt hat, der wird auch dafür sorgen, dass sich alles andere fügt". Und kaum fühl ich mich etwas besser, nagen da schon wieder die Zweifel "Was, wenn nicht?". Ich zermartere mir das Hirn, wie das alles zu machen ist. Was kann ich jetzt vorbereiten, wie kann ich den Weg ebnen, damit da nicht zu viele Steine liegen?
Ich bin Hochzeitsrednerin. Ein Saisongeschäft. Mein absoluter Traumberuf, den ich mit überschäumender Freude und großer Zufriedenheit ausübe. Aber eben nur in den Sommermonaten. Im Winter ist saure Gurken Zeit. Bisher hatte ich meinen Wirkungskreis in Norddeutschland, ab nächstem Jahr will ich in Nordrhein-Westfalen durchstarten. Wie geh ich das am besten an? Wo und wie kann ich am besten werben. Wie und wann kann ich überhaupt Trauungen durchführen?
Ende April kommt unsere Raupe. Ich werde, wie schon beim ersten Baby, so lange wie möglich stillen. Mach ich mir zu viele Gedanken? Ich habe mehr als genug Babysitter, für die Vorbereitung meiner Reden bin ich immer nur stundenweise unterwegs, den Rest erledige ich von zu Hause. Für die Trauungen, die ja nur an den Wochenenden stattfinden, bin ich maximal 5 Stunden weg. Und das ist schon sehr großzügig gerechnet. Mein Mann hat jedes WE frei. Er kann sich sowohl um das Baby kümmern und mit abgepumpter Milch füttern, als auch zu den Trauungen mitkommen. Dann schiebt er sie halt im Kinderwagen ne Runde um den Block und danach geht es an die Milchbar bei Mutti. Und wenn Papa keine Zeit hat, dann kommt Oma, Tante, Onkel, Großtante, etc mit. Da wird sich immer einer finden. Oder?
Ich werde arbeiten können. Auch mit Säugling. Wenn nicht in meinem Job, in welchem dann?! Und dann wird es auch finanziell nicht so eng. Von einem Gehalt plötzlich dreieinhalb Personen versorgen anstatt wie bisher eine, das ist ein riesiger Schritt. Was wird das Haus kosten, was für ein Auto finden wir? Welches man auch bezahlen kann, ohne ein enormes Loch in die Haushaltskasse zu reißen.
Es gehen mir so viele düstere Gedanken durch den Kopf. Von unbeschwerter Freude bin ich derzeit weit entfernt. Ich schwanke extrem in meinen Empfindungen. Ich liebe dieses Baby in meinem Bauch, keine Frage. Aber diese Schwangerschaft bereitet mir schon manchmal Kopfzerbrechen. Die Last, die ich auf meinen Schultern trage, die wird mir in den letzten Tagen schmerzhaft bewusst. Mit Nackenverspannungen und Kopfschmerzen.
Ja, ich bin ein großer Anhänger des positiven Denkens, aber dieser Tage fällt mir das verdammt schwer. Die letzten 10 Monate waren für mich sehr aufreibend, voller Veränderungen und sehr kräftezehrend. Ich komme einfach mit dem Verarbeiten nicht hinterher. Manchmal möchte ich laut "Stopp!" schreien, damit ich mal durchatmen und alles in Ruhe betrachten und abschliessen kann. Funktioniert mäßig. Loslassen....ja, damit hatte ich schon immer so meine Probleme. Warum fällt das oft so schwer?
Aber es ist ja nicht nur das Vergangene, das mich noch bewegt, es sind auch die jetzigen Veränderungen, die ich noch gar nicht richtig fassen kann.
Da bin ich. Plötzlich schwanger. Und das ich das herausfand ist schon fast 5 Wochen her. Ich hab es erst nicht glauben wollen. Aber diese furchtbare Übelkeit mit Erbrechen und diesem ständigen, metallischen Geschmack im Mund, die Bauchschmerzen, mein sich verändernder Körper erinnerten mich immer wieder daran. Empfinde ich das alles viel heftiger als beim letzten Mal, weil ich mich nicht 100%ig darauf einlassen kann? Weil ich so ängstlich bin? So unvorbereitet? So überrumpelt? Ich bin ein Mensch, der gern alles unter Kontrolle hat und die Fäden in der Hand hält. Oder zumindest den Eindruck hat, dass ich alles kontrollieren kann. Das hat mit meiner zweiten Schwangerschaft ja mal super geklappt. Es ist der berühmte Sprung ins kalte Wasser. Und jetzt müssen wir schwimmen.
Tief drinnen weiß ich ganz sicher, dass alles gut wird. Dass alles gut ist! Es ging nur alles wahnsinnig schnell. In vier Wochen hat der werdende Papa Geburtstag, vielleicht schenken wir uns mal ein paar Momente Auszeit. Da bleibt im Moment auch viel auf der Strecke. Wir hatten noch nicht die Ruhe und Gelassenheit, um uns neu aufeinander einzustellen, jetzt, wo mein Körper ja nicht mehr nur mir gehört.
Ich mag es nicht, wenn ich so negativ denke. Es macht auch nicht wirklich Spaß. Da gibt es so viele Dinge, die mich mit Freude erfüllen. Ich hab meinen Traummann, ich habe eine wundervolle Tochter, eine grandiose Familie, auf die ich mich immer verlassen kann. Ich bin endlich zu Hause und kann mich endlich fallen lassen und ankommen. In wenigen Tagen traue ich meinen kleinen Bruder. Mit ihm zusammen plane ich meine berufliche Zukunft. Endlich habe ich das Familienleben, das ich so lange schmerzlich vermisst habe.
Es könnte mir wesentlich schlechter gehen. Tut es aber nicht. Alles ist gut. Da kommt mein Stück Butter - ich spring auf und schwimm weiter.
Von Himmel hoch jauchzend - zu Tode betrübt. So heißt es so schön. Und das trifft es. Leider.
Klar, grundsätzlich bin ich glücklich, bin ich voller Aufregung und Vorfreude, aber es ist ehrlicher Weise halt nicht nur das. Und auch das, finde ich, muss man mal sagen.
Meine jetzige Schwangerschaft steht unter einem komplett anderen Stern, als meine erste. Damals war alles gesettled, wie man neudeutsch so schön sagt. Ich war finanziell mehr als abgesichert, das Häuschen im Grünen samt Hund und rechtmäßig angetrautem Ehemann wartete nur auf die Komplettierung durch das neue Baby. Das diese Idylle nur kurz anhielt, das steht auf einem anderen Blatt.
Heute sieht das anders aus. Vater und Mutter sind nicht seit Jahren, sondern erst seit einigen Monaten ein Paar, sie haben auch nicht jahrelang ein Kind geplant, sondern es kam einfach mal so. Mama und Papa wohnen bis jetzt nicht mal zusammen. Das große Geschwisterchen freut sich zwar nen zweiten Bauchnabel, dass sie endlich große Schwester wird, aber um das auch leben zu können, wird sie die Schule wechseln und ihre bisher vertraute Umgebung verlassen. Was der Kindsvater nur mit mäßiger Begeisterung aufnimmt.
Ich will ganz ehrlich sein. Ich liege so manche Nacht wach und frage mich, wie wir das alles schaffen wollen, ohne Schaden zu nehmen. Und im gleichen Moment schelte ich mich für solche Gedanken, weil es undankbar und Schwarzmalerei ist. Was ist mit dem Gesetz der Anziehung? Du bist was du denkst und fühlst. Also weg mit den schlechten Gedanken und her mit den rosaroten. Her mit dem Mantra "Alles wird gut, derjenige, der euch euer Baby geschickt hat, der wird auch dafür sorgen, dass sich alles andere fügt". Und kaum fühl ich mich etwas besser, nagen da schon wieder die Zweifel "Was, wenn nicht?". Ich zermartere mir das Hirn, wie das alles zu machen ist. Was kann ich jetzt vorbereiten, wie kann ich den Weg ebnen, damit da nicht zu viele Steine liegen?
Ich bin Hochzeitsrednerin. Ein Saisongeschäft. Mein absoluter Traumberuf, den ich mit überschäumender Freude und großer Zufriedenheit ausübe. Aber eben nur in den Sommermonaten. Im Winter ist saure Gurken Zeit. Bisher hatte ich meinen Wirkungskreis in Norddeutschland, ab nächstem Jahr will ich in Nordrhein-Westfalen durchstarten. Wie geh ich das am besten an? Wo und wie kann ich am besten werben. Wie und wann kann ich überhaupt Trauungen durchführen?
Ende April kommt unsere Raupe. Ich werde, wie schon beim ersten Baby, so lange wie möglich stillen. Mach ich mir zu viele Gedanken? Ich habe mehr als genug Babysitter, für die Vorbereitung meiner Reden bin ich immer nur stundenweise unterwegs, den Rest erledige ich von zu Hause. Für die Trauungen, die ja nur an den Wochenenden stattfinden, bin ich maximal 5 Stunden weg. Und das ist schon sehr großzügig gerechnet. Mein Mann hat jedes WE frei. Er kann sich sowohl um das Baby kümmern und mit abgepumpter Milch füttern, als auch zu den Trauungen mitkommen. Dann schiebt er sie halt im Kinderwagen ne Runde um den Block und danach geht es an die Milchbar bei Mutti. Und wenn Papa keine Zeit hat, dann kommt Oma, Tante, Onkel, Großtante, etc mit. Da wird sich immer einer finden. Oder?
Ich werde arbeiten können. Auch mit Säugling. Wenn nicht in meinem Job, in welchem dann?! Und dann wird es auch finanziell nicht so eng. Von einem Gehalt plötzlich dreieinhalb Personen versorgen anstatt wie bisher eine, das ist ein riesiger Schritt. Was wird das Haus kosten, was für ein Auto finden wir? Welches man auch bezahlen kann, ohne ein enormes Loch in die Haushaltskasse zu reißen.
Es gehen mir so viele düstere Gedanken durch den Kopf. Von unbeschwerter Freude bin ich derzeit weit entfernt. Ich schwanke extrem in meinen Empfindungen. Ich liebe dieses Baby in meinem Bauch, keine Frage. Aber diese Schwangerschaft bereitet mir schon manchmal Kopfzerbrechen. Die Last, die ich auf meinen Schultern trage, die wird mir in den letzten Tagen schmerzhaft bewusst. Mit Nackenverspannungen und Kopfschmerzen.
Ja, ich bin ein großer Anhänger des positiven Denkens, aber dieser Tage fällt mir das verdammt schwer. Die letzten 10 Monate waren für mich sehr aufreibend, voller Veränderungen und sehr kräftezehrend. Ich komme einfach mit dem Verarbeiten nicht hinterher. Manchmal möchte ich laut "Stopp!" schreien, damit ich mal durchatmen und alles in Ruhe betrachten und abschliessen kann. Funktioniert mäßig. Loslassen....ja, damit hatte ich schon immer so meine Probleme. Warum fällt das oft so schwer?
Aber es ist ja nicht nur das Vergangene, das mich noch bewegt, es sind auch die jetzigen Veränderungen, die ich noch gar nicht richtig fassen kann.
Da bin ich. Plötzlich schwanger. Und das ich das herausfand ist schon fast 5 Wochen her. Ich hab es erst nicht glauben wollen. Aber diese furchtbare Übelkeit mit Erbrechen und diesem ständigen, metallischen Geschmack im Mund, die Bauchschmerzen, mein sich verändernder Körper erinnerten mich immer wieder daran. Empfinde ich das alles viel heftiger als beim letzten Mal, weil ich mich nicht 100%ig darauf einlassen kann? Weil ich so ängstlich bin? So unvorbereitet? So überrumpelt? Ich bin ein Mensch, der gern alles unter Kontrolle hat und die Fäden in der Hand hält. Oder zumindest den Eindruck hat, dass ich alles kontrollieren kann. Das hat mit meiner zweiten Schwangerschaft ja mal super geklappt. Es ist der berühmte Sprung ins kalte Wasser. Und jetzt müssen wir schwimmen.
Tief drinnen weiß ich ganz sicher, dass alles gut wird. Dass alles gut ist! Es ging nur alles wahnsinnig schnell. In vier Wochen hat der werdende Papa Geburtstag, vielleicht schenken wir uns mal ein paar Momente Auszeit. Da bleibt im Moment auch viel auf der Strecke. Wir hatten noch nicht die Ruhe und Gelassenheit, um uns neu aufeinander einzustellen, jetzt, wo mein Körper ja nicht mehr nur mir gehört.
Ich mag es nicht, wenn ich so negativ denke. Es macht auch nicht wirklich Spaß. Da gibt es so viele Dinge, die mich mit Freude erfüllen. Ich hab meinen Traummann, ich habe eine wundervolle Tochter, eine grandiose Familie, auf die ich mich immer verlassen kann. Ich bin endlich zu Hause und kann mich endlich fallen lassen und ankommen. In wenigen Tagen traue ich meinen kleinen Bruder. Mit ihm zusammen plane ich meine berufliche Zukunft. Endlich habe ich das Familienleben, das ich so lange schmerzlich vermisst habe.
Es könnte mir wesentlich schlechter gehen. Tut es aber nicht. Alles ist gut. Da kommt mein Stück Butter - ich spring auf und schwimm weiter.
Abonnieren
Posts (Atom)

