Mittwoch, 1. Oktober 2014

Hallo Wolke 7 - ich bin hier unten!

Ja, eine Schwangerschaft ist nicht nur Freude und Glückseligkeit, sondern leider auch das Gegenteil. Es geht einem nicht immer gut und es kreisen einem Gedanken durch den Kopf, die man lieber nicht hätte und die man laut gar nicht aussprechen mag. 

Von Himmel hoch jauchzend - zu Tode betrübt. So heißt es so schön. Und das trifft es. Leider. 

Klar, grundsätzlich bin ich glücklich, bin ich voller Aufregung und Vorfreude, aber es ist ehrlicher Weise halt nicht nur das. Und auch das, finde ich, muss man mal sagen. 

Meine jetzige Schwangerschaft steht unter einem komplett anderen Stern, als meine erste. Damals war alles gesettled, wie man neudeutsch so schön sagt. Ich war finanziell mehr als abgesichert, das Häuschen im Grünen samt Hund und rechtmäßig angetrautem Ehemann wartete nur auf die Komplettierung durch das neue Baby. Das diese Idylle nur kurz anhielt, das steht auf einem anderen Blatt. 

Heute sieht das anders aus. Vater und Mutter sind nicht seit Jahren, sondern erst seit einigen Monaten ein Paar, sie haben auch nicht jahrelang ein Kind geplant, sondern es kam einfach mal so. Mama und Papa wohnen bis jetzt nicht mal zusammen. Das große Geschwisterchen freut sich zwar nen zweiten Bauchnabel, dass sie endlich große Schwester wird, aber um das auch leben zu können, wird sie die Schule wechseln und ihre bisher vertraute Umgebung verlassen. Was der Kindsvater nur mit mäßiger Begeisterung aufnimmt. 

Ich will ganz ehrlich sein. Ich liege so manche Nacht wach und frage mich, wie wir das alles schaffen wollen, ohne Schaden zu nehmen. Und im gleichen Moment schelte ich mich für solche Gedanken, weil es undankbar und Schwarzmalerei ist. Was ist mit dem Gesetz der Anziehung? Du bist was du denkst und fühlst. Also weg mit den schlechten Gedanken und her mit den rosaroten. Her mit dem Mantra "Alles wird gut, derjenige, der euch euer Baby geschickt hat, der wird auch dafür sorgen, dass sich alles andere fügt". Und kaum fühl ich mich etwas besser, nagen da schon wieder die Zweifel "Was, wenn nicht?". Ich zermartere mir das Hirn, wie das alles zu machen ist. Was kann ich jetzt vorbereiten, wie kann ich den Weg ebnen, damit da nicht zu viele Steine liegen?

Ich bin Hochzeitsrednerin. Ein Saisongeschäft. Mein absoluter Traumberuf, den ich mit überschäumender Freude und großer Zufriedenheit ausübe. Aber eben nur in den Sommermonaten. Im Winter ist saure Gurken Zeit. Bisher hatte ich meinen Wirkungskreis in Norddeutschland, ab nächstem Jahr will ich in Nordrhein-Westfalen durchstarten. Wie geh ich das am besten an? Wo und wie kann ich am besten werben. Wie und wann kann ich überhaupt Trauungen durchführen?
Ende April kommt unsere Raupe. Ich werde, wie schon beim ersten Baby, so lange wie möglich stillen. Mach ich mir zu viele Gedanken? Ich habe mehr als genug Babysitter, für die Vorbereitung meiner Reden bin ich immer nur stundenweise unterwegs, den Rest erledige ich von zu Hause. Für die Trauungen, die ja nur an den Wochenenden stattfinden, bin ich maximal 5 Stunden weg. Und das ist schon sehr großzügig gerechnet. Mein Mann hat jedes WE frei. Er kann sich sowohl um das Baby kümmern und mit abgepumpter Milch füttern, als auch zu den Trauungen mitkommen. Dann schiebt er sie halt im Kinderwagen ne Runde um den Block und danach geht es an die Milchbar bei Mutti. Und wenn Papa keine Zeit hat, dann kommt Oma, Tante, Onkel, Großtante, etc mit. Da wird sich immer einer finden. Oder?

Ich werde arbeiten können. Auch mit Säugling. Wenn nicht in meinem Job, in welchem dann?! Und dann wird es auch finanziell nicht so eng. Von einem Gehalt plötzlich dreieinhalb Personen versorgen anstatt wie bisher eine, das ist ein riesiger Schritt. Was wird das Haus kosten, was für ein Auto finden wir? Welches man auch bezahlen kann, ohne ein enormes Loch in die Haushaltskasse zu reißen. 

Es gehen mir so viele düstere Gedanken durch den Kopf. Von unbeschwerter Freude bin ich derzeit weit entfernt. Ich schwanke extrem in meinen Empfindungen. Ich liebe dieses Baby in meinem Bauch, keine Frage. Aber diese Schwangerschaft bereitet mir schon manchmal Kopfzerbrechen. Die Last, die ich auf meinen Schultern trage, die wird mir in den letzten Tagen schmerzhaft bewusst. Mit Nackenverspannungen und Kopfschmerzen. 

Ja, ich bin ein großer Anhänger des positiven Denkens, aber dieser Tage fällt mir das verdammt schwer. Die letzten 10 Monate waren für mich sehr aufreibend, voller Veränderungen und sehr kräftezehrend. Ich komme einfach mit dem Verarbeiten nicht hinterher. Manchmal möchte ich laut "Stopp!" schreien, damit ich mal durchatmen und alles in Ruhe betrachten und abschliessen kann. Funktioniert mäßig. Loslassen....ja, damit hatte ich schon immer so meine Probleme. Warum fällt das oft so schwer? 
Aber es ist ja nicht nur das Vergangene, das mich noch bewegt, es sind auch die jetzigen Veränderungen, die ich noch gar nicht richtig fassen kann. 

Da bin ich. Plötzlich schwanger. Und das ich das herausfand ist schon fast 5 Wochen her. Ich hab es erst nicht glauben wollen. Aber diese furchtbare Übelkeit mit Erbrechen und diesem ständigen, metallischen Geschmack im Mund, die Bauchschmerzen, mein sich verändernder Körper erinnerten mich immer wieder daran. Empfinde ich das alles viel heftiger als beim letzten Mal, weil ich mich nicht 100%ig darauf einlassen kann? Weil ich so ängstlich bin? So unvorbereitet? So überrumpelt? Ich bin ein Mensch, der gern alles unter Kontrolle hat und die Fäden in der Hand hält. Oder zumindest den Eindruck hat, dass ich alles kontrollieren kann. Das hat mit meiner zweiten Schwangerschaft ja mal super geklappt. Es ist der berühmte Sprung ins kalte Wasser. Und jetzt müssen wir schwimmen. 

Tief drinnen weiß ich ganz sicher, dass alles gut wird. Dass alles gut ist! Es ging nur alles wahnsinnig schnell. In vier Wochen hat der werdende Papa Geburtstag, vielleicht schenken wir uns mal ein paar Momente Auszeit. Da bleibt im Moment auch viel auf der Strecke. Wir hatten noch nicht die Ruhe und Gelassenheit, um uns neu aufeinander einzustellen, jetzt, wo mein Körper ja nicht mehr nur mir gehört. 

Ich mag es nicht, wenn ich so negativ denke. Es macht auch nicht wirklich Spaß. Da gibt es so viele Dinge, die mich mit Freude erfüllen. Ich hab meinen Traummann, ich habe eine wundervolle Tochter, eine grandiose Familie, auf die ich mich immer verlassen kann. Ich bin endlich zu Hause und kann mich endlich fallen lassen und ankommen. In wenigen Tagen traue ich meinen kleinen Bruder. Mit ihm zusammen plane ich meine berufliche Zukunft. Endlich habe ich das Familienleben, das ich so lange schmerzlich vermisst habe. 

Es könnte mir wesentlich schlechter gehen. Tut es aber nicht. Alles ist gut. Da kommt mein Stück Butter - ich spring auf und schwimm weiter. 

1 Kommentar:

  1. Huhu,
    ich bin bei Urbia auf deinen Blog gestoßen und habe dich für den Liebster Award nominiert. Vielleicht magst du ja mitmachen?

    http://zwei-plus-eins.blogspot.de/2014/10/liebster-award-was-ist-das.html#more

    Ganz liebe Grüße
    Sabrina

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