Donnerstag, 16. Oktober 2014

Wunscherfüllung die Zweite

Manchmal bin ich so gut, dass ich mich selbst erschrecke. Da rede ich in meinem letzten Post von unserem Haus, davon, wie explizit ich mir unser Heim vorstelle und keine Stunde nach der Veröffentlichung klingelt mein Telefon. Die Vermieter! Das Haus gehört zwei Parteien und obwohl einer der beiden eigentlich lieber verkaufen statt vermieten wollte, konnte die Zweite im Bunde ihn davon überzeugen, an uns zu vermieten! Wann wir uns denn endlich persönlich kennenlernen würden, er habe schon soviel Gutes von uns gehört, nun würde er uns doch gern endlich treffen.
Ich habe gejubelt und bin durch die Wohnung gehüpft, nachdem wir alles weitere besprochen und aufgelegt hatten. Ist das nicht unglaublich?! Wie schnell doch Wünsche in Erfüllung gehen, wenn man sie artikuliert....

Mittlerweile bin ich wieder mal in der neuen Heimat und laufe seit Tagen mit einem Dauergrinsen durch die Gegend. Ich fühl mich großartig! Seit ein paar Tagen spüre ich die ersten leisen Tritte von unserer Raupe, mein Bauch ist mächtig gewachsen und ist schon jetzt ein richtig schöner Babybauch. Ständig habe ich eine Hand auf dem Bauch und halte auch immer wieder Zwiesprache mit meinem Untermieter. Vergessen sind die anfänglichen Zweifel und Ängste. Ich bin einfach nur noch glücklich. Unverschämt glücklich. Und wahnsinnig dankbar. Und schwupp di wupp löst sich ein Knoten nach dem anderen. Dinge, die mich seit Wochen belasten lösen sich in Wohlgefallen auf. Ich bin wieder auf meinem Butterbötchen unterwegs und alles läuft wie von selbst.

Ich sagte ja bereits, dass meine Familie die beste überhaupt ist, aber von solchen Brüdern wie den meinen kann man nur träumen. Der Kleine hat uns quasi genötigt für die nächsten Wochen, in denen ich hier bin, sein Auto zu nehmen, damit wir mobil sind. Er war richtig böse, weil wir ihn noch nicht gefragt hatten. Der Große hat uns einen Babysitz samt Easyfix zu einem sehr fairen Preis in einem Topzustand organisiert. Es treibt mir die Tränen in die Augen, wenn ich sehen, wie sehr ich, nein wir geliebt werden. Dass ich nicht im Kreis grinse, das verdanke ich einzig meinen Ohren. Ich weiß, ich bin gefühlsduselig, ich darf das, ich bin schwanger!

Der Tintenfisch geht in ihrer Rolle als große Schwester auf. Kocht für das Baby, bepinselt den Bauch, macht Zupfmassagen und singt Lieder in den Bauch. Jetzt ist sie noch zwei Tage mit Papa in den Ferien, bevor sie das erste Mal allein fliegt. Sie ist aufgeregt und freut sich. Ich bin noch aufgeregter. Ich wär am liebsten dabei, um Mäuschen zu spielen und zu gucken, ob es ihr auch wirklich gut geht. Was, wenn sie Druck auf den Ohren hat und vergisst, wie man den Druck ausgleicht. Auch wenn wir das vorher noch geübt haben? Was wenn ihr übel wird, sie Angst bekommt, sich einsam fühlt? Stopp. Da war doch was....
Sie genießt den Flug natürlich und lässt sich wie eine Prinzessin bedienen. Und am Flughafen springt mir ein aufgedrehtes und fröhliches Tintenfischchen an den dicken Bauch. :)
Oder auch nicht. Denn wenn sie den Papa ihres Geschwisterchens entdeckt, den sie acht Wochen nicht gesehen hat, dann wird sie ihm in die Arme fliegen und ich wette, da werden auf beiden Seiten ein paar Freudentränchen kullern. Ich freu mich so sehr auf meine Große, dass kann ich in Worte gar nicht fassen.

Anfang nächster Woche wird sie beim nächsten Frauenarzttermin dabei sein. Da in der Praxis auch 3D Ultraschall gemacht werden kann, wollte ich mal nachfragen, ob man zwischendurch nicht mal einfach umschalten kann. Damit die große Schwester auf den Bildern auch was erkennen kann. Ob sich die kleine Raupe wohl schon outet? Ich bin so gespannt. Ich möchte so gerne wissen, ob sich die Vorahnung der großen Schwester bewahrheiten.

Egal ob männliche oder weibliche Raupe, kräftige Beinchen hat dieses winzige Menschlein in meinem Bauch allemal. Jeden Abend um die gleiche Uhrzeit habe ich Zumbastunde in meiner Bauchwohnung. Da wird von rechts nach links gehüpft, gegen die Wände getreten und ordentlich Rambazamba gemacht. Der ältere Onkel mütterlicherseits hatte hingegen eine andere Vermutung.

Das Kind käme da eindeutig nach dem talentierten Vater, seines Zeichens Maler und Lackierer. Mein Bauchbewohner sei sicher gerade dabei, die Ein-Zimmer-Wohnung zu verschönern. Rot ist nicht gerade seine Vorstellung von einer gemütlichen Wandgestaltung, also wird kurzerhand renoviert. Neue Tapete, neuer Anstrich. Und bei der Intensität, die ich da mitkriege, könnte ich wetten, die Raupe ist gerade dabei sich ein Fenster in die Gebärmutterwand zu stemmen. Ist ja fürchterlich dunkel da drin.
Oder sie hat sich ein Schwimmbad gebaut und zieht fleißig ihre Bahnen. Denn die Geräusche, die ich mit unserer neuesten Errungenschaft, dem Angelsound, vernommen habe, die klingen verdächtig danach. Das, was ich finden und hören wollte, die Herztöne des Babys, konnte ich nicht ausmachen. Meinen eigenen, ja. Schwimmgeräusche und Darmbewegung, ja. Und ich konnte sehr deutlich spüren, was die Raupe von der Aktion hielt. Gar nichts. Hat sich mit Händen und Füßen gewehrt und gegen den Lärm protestiert. Okay, wir lassen sie dann erst mal in Ruhe. Auch wenn die Neugier groß ist.

Nächste Woche gehen dann auch die Vorbereitungen für die Hochzeit in die finale Runde. Ich bin aufgeregt. Ich freue mich wahnsinnig. Und übe bereits fleißig daran, die Rede zu halten ohne in Tränen auszubrechen. Ich hab so was von nah am Wasser gebaut, ich weiß nicht, wie ich das hinkriegen soll. Mut antrinken fällt auch aus. Ich muss mir noch eine Taktik überlegen. Zur Not setz ich Braut und Bräutigam eine rote Pappnase auf. Das müsste gehen.
Klar, ich hab schon viele Paare getraut ohne zu heulen, aber hey! Das hier ist mein kleiner Bruder! Da sitzt meine komplette Familie. Das ist das erste mal, dass sie überhaupt sehen, was ich beruflich mache. Keiner außer meiner Tochter und meinem Mann haben je eine Zeremonie von mir mitgemacht. Meine Eltern haben mich höchstens mal singen hören, Konzerte von mir besucht. Und mein Papa hat jedes Mal geweint. Tolle Vorraussetzungen also. Es wird schon klappen. Ich bin wahrscheinlich so aufgeregt und konzentriert, dass ich gar keine Zeit haben werde Tränen zu produzieren. Die Rede habe ich so noch nie gehalten, die ist komplett neu und überarbeitet. Noch persönlicher, noch witziger, noch emotionaler. Ich freu mich sehr drauf!

Gestern war ich im Dekoladen, um noch das ein oder andere für die Feier zu sichten, habe aber nichts gefunden. Es war alles schon weihnachtlich dekoriert und weil ich schon mal da war, hab ich mich mal durch die Ausstellung gekugelt. Und da waren sie wieder, die Bilder von unserem neuen Zuhause. Weihnachtlich geschmückt in silber, weiß, hellbraun und zartem grün. An der Eingangstür ein dicker Kranz aus Weidenzweigen, auf den Fensterbänken und den Stufen in der Treppe stehen Teelichte und Stumpenkerzen in Laternen und hohen Windlichtern. In der Diele hängt ein riesiger Stern aus Zweigen an der Wand. In der Küche hängen Haselnussäste, die mit Kugeln und weißen Blüten geschmückt sind und an der Wand hängen die selbstgefüllten Adventskalender für die Kinder. Im Kamin knistert das Feuer und auf dem Kamin liegt eine Schale mit gespickten Orangen. Das ganze Haus duftet danach. Die Terrasse ist mit Lichterketten und Tannengirlanden geschmückt, der Holzboden knarzt und ich sitze mit einem heißen Punsch und einem guten Buch unter der Kuscheldecke auf unserer Couch.

Seht ihr es auch vor euch? Könnt ihr die Orangen riechen? Hört ihr das Feuer knistern? Dann wird es wohl so sein.....

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