Schaff dir Kinder an und du kannst was erzählen.
Dass das mehr als stimmt, kann wohl jeder bestätigen, der sich seinerseits bereits fortgepflanzt hat.
Nicht nur, dass einem als frischgebackene Eltern niemals der Gesprächsstoff über durchwachte Nächte, Produktionsgeschwindigkeit und Konsistenz des Windelinhaltes oder Wundermittel gegen Bauchweh ausgeht, nein der Nachwuchs sorgt auch anderweitig immer wieder für ausreichend Kaffeeklatschmaterial.
Ich dachte meinerseits eigentlich immer, dass sobald die Kurzen der deutschen Sprache mehr oder minder Herr werden, seien die herrlichen Versprecher und Wortneuschöpfungen vorbei. Weit gefehlt. Mit zunehmendem Horizont werden die kreativen Ergüsse sogar mehr.
Und der Spaß wird noch größer, wenn man in unserer Familie lebt. Mein Mann und ich sind nämlich durchaus in der Lage mit nur zwei Mitspielern "stille Post" zu spielen. Für die Unwissenden: "Stille Post" ist ein Kinderspiel bei dem eine Reihe von Kindern in einer Reihe sitzt. Der erste (oder der Letzte, wie alles eine Frage der Perspektive) flüstert seinem Nebenmann einen Satz ins Ohr. Der wiederum flüstert es seinem Nebenmann ins Ohr und so weiter, bis das geflüsterte Wort am Ende der Reihe angekommen ist und dann laut ausgesprochen wird. Sinnigerweise werden komplizierte, lange und an sich schon missverständliche Schachtelsätze gewählt damit am Ende dann etwas spaßiges dabei rauskommt. Mein Mann und ich brauchen keine Unterstützung um aus einem Satz unseres Gegenübers etwas vollkommen anderes zu verstehen. Wir sind Nuschler, Klickerer und Schnellsprecher, da bleibt sowas nicht aus und führt immer wieder zu herzhaften Lachflashes.
Wenn dann zu unserer Nuschelei auch noch kindliche Logik kommt, krümmen wir uns alle drei vor Lachen.
Die Große setzt sich aus gegebenem Anlass momentan sehr mit dem Thema "Groß werden" auseinander. Sie selbst hat enorme Schmerzen, wenn sie wieder in einem Wachstumsschub steckt und hörte jetzt von einem ihrer Klassenkameraden, dass es diesem genauso ergeht und er wegen seiner Rückenschmerzen zum Arzt musste. Der Arzt hatte dann wohl eine Beinlängendifferenz festgestellt, was den Tintenfisch überaus faszinierte. "Mama, der .... hat ein Bein kürzer als das andere!" erzählte sie mir schon auf dem Nachhauseweg am Freitag. Sie berichtete in aller Ausführlichkeit, was ihr Kamerad erlebt hatte und was es mit den zwei unterschiedlich langen Beinen auf sich hatte. Ich muss dazu sagen, dass mein kleiner Tintenfisch ein Hypochonder ist. Sie verlangt des öfteren lautstark und dramatisch nach einem Druckverband. Ich lasse mir dann gern Zeit mit der Wundversorgung. Denn aus der meist stecknadelkopfgroßen Wunde tritt nicht mal ein Blutatom aus. Bis ich die speziellen Pflaster dann gefunden hab, ist die Verletzung wieder vergessen.
Das Thema zu kurze Beine aber musste ausführlich erörtert werden und kreiste immer wieder durch ihr hübsches Köpfchen. Ich erzählte ihr dazu das, was mein Osteopath mir einmal erzählt hatte. Nämlich dass fast alle Menschen ein kürzeres Bein haben aufgrund von Haltungsfehlern. Ich erzählte ihr von flüssigkeitsgefüllten Bandscheiben, von gestauchten Wirbelsäulen am Abend, etc. Wusste sie schon alles. Von ihrem Nachmittagskurs "Kleiner Rücken ganz groß" und Checker Chan oder "Wissen macht Ah!" - das weiß ich nicht mehr so genau.
Jedenfalls bot diese "Behinderung" ihres Kameraden für die 45 minütige Fahrt vom Flughafen nach Hause viel Gesprächsstoff. Doch irgendwann war die Musik wieder wichtiger und sie schaute nur noch mitsummend aus dem Fenster und hing ihren Gedanken nach.
Ich hatte das Thema bereits ad acta gelegt, dachte das hätten wir geklärt. Bis der Tintenfisch nach unserer Ankunft plötzlich mitten im Gehen stoppt, an sich herunter guckt und mir mitteilt "Mama, meine Beine sind aber gleich lang. Kommen beide bis auf den Boden!"
Tintenfischs größte Aufmerksamkeit gilt natürlich ihrer kleinen Schwester. Mittlerweile ist die Schildkröte Morla schon fast vier Monate alt und schläft des öfteren auch durch. (ich möchte anmerken, dass man schon ab 5 Stunden von durchschlafen spricht!) Immer öfter aber eben auch nicht. Und da überlegt man als junges Elternpaar schon mal, warum das so ist. Nur suchen wir den Fehler immer am falschen Ende - dem Baby. Der Tintenfisch kam mit der simplen wie genialen Lösung unseres Schlafproblems um die Ecke: "Mama, ist doch klar, dass Morla nicht durchschläft. Wenn du sie ständig mit deinen Brüsten bedrängst.....!" Mein Mann hat mich daraufhin gebeten, das arme Baby nicht weiter zu belästigen. Wenn ich jemanden mit meinen Brüsten bedrängen müsse, dann würde er sich opfern damit unsere arme Tochter endlich in Ruhe schlafen kann.
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